Was tun? Archive - Schaffhauser AZ https://www.shaz.ch/category/gesellschaft/was-tun/ Die lokale Wochenzeitung Wed, 06 May 2020 10:59:02 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.4.8 https://www.shaz.ch/wp-content/uploads/2018/11/cropped-AZ_logo_kompakt.icon_-1-32x32.jpg Was tun? Archive - Schaffhauser AZ https://www.shaz.ch/category/gesellschaft/was-tun/ 32 32 Ein harter Brocken https://www.shaz.ch/2020/05/06/ein-harter-brocken/ https://www.shaz.ch/2020/05/06/ein-harter-brocken/#comments Wed, 06 May 2020 10:53:33 +0000 https://www.shaz.ch/?p=4587 Heute wieder ein heisser Tipp, was Sie tun könnten: Den Simplicissimus lesen. Wahrscheinlich werden Sie daran verzweifeln, aber es lohnt sich. Also wurde ich bey Zeiten gewahrdass nichts beständigers in der Welt istals die Unbeständigkeit selbsten. Simplicissimus Neue Serie: «Was tun?» Folge 7: Simplicissimus.Versammlungsverbot und Selbstisolation: Das kann schnell langweilig werden. Deshalb liefert die AZ […]

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Heute wieder ein heisser Tipp, was Sie tun könnten: Den Simplicissimus lesen.
Wahrscheinlich werden Sie daran verzweifeln, aber es lohnt sich.

Also wurde ich bey Zeiten gewahr
dass nichts beständigers in der Welt ist
als die Unbeständigkeit selbsten.

Simplicissimus

Neue Serie: «Was tun?» Folge 7: Simplicissimus.
Versammlungsverbot und Selbstisolation: Das kann schnell langweilig werden. Deshalb liefert die AZ jede Woche eine erprobte Idee, wie man sich beschäftigen kann, wenn fast alles verboten ist.
Folge 1: Burek backen
Folge 2: Online-Tutorials
Folge 3: Hobbyastronomie
Folge 4: Eierfärben
Folge 5: Selbstschur
Folge 5: Aufräumen nach Mari ­Kondo


Als sich abzeichnete, dass ich an Wochenenden und Feierabenden bald sehr viel Zeit hätte, die ich nicht anderweitig verbraten würde, war schnell klar: Das ist Lesezeit. Aber nicht normale Lesezeit, sondern, und das ist das Fantastische daran, zusätzliche. Ein Fenster hat sich aufgetan für Bücher, die man liest, nicht weil sie sich aufdrängen, sondern weil man Zeit verschwenden kann. Wie in der Kindheit, als man Bücher vielleicht zwei, drei Mal wieder gelesen hat.

Schon lange denke ich: Ich will den Simplicissimus nochmals lesen. Das wichtigste Prosawerk der deutschen Barockzeit; ein Schelmenroman, der die Wirren des Dreissigjährigen Krieges schildert: so komisch, furchtbar brutal und irrsinnig. Einerseits fand ich den Roman von Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen, als ich ihn vor einigen Jahren las, derart abgefahren; ich kann mich dunkel daran erinnern, dass ich Freunde nervte mit Handyfotos von Textstellen. Und andererseits dachte ich in letzter Zeit ein paar Mal: Diese Welt ist so verrückt; ich glaube, es wäre sinnvoll, dieses Buch wieder präsenter zu haben.


Als Ausleger der Weltordnung: Der Bauernlümmel Simplicius aus dem teutschen Spessart. Ein hoffnungsvoller junger Mann, der sich später den Zunamen Simplicissimus verdient und alles aus seiner scheinbar naiv-närrischen Sicht betrachtet. Aber wie sagt Simplicissimus so schön: Ein Narr macht ihrer hundert.

Und so erlebt man, wie der junge Kerl – nachdem ein Trupp Soldaten, angelockt durch Simplicissimus’ Sackpfeifenspiel, sein Dorf zerstört – in die Welt hinaus zieht. Und als Narr, später Bandenführer oder als Lustknabe Abenteuer erlebt, die Titel tragen wie: Dem seltzamen Simplicio kompt in der Welt alles seltzam vor / und er hingegen der Welt auch. Oder: Simplicius erschnappet ein gute Beut / und wird darauff ein diebischer Waldbruder.

Simplicissimus ist übrigens auch mal als Wallfahrtsbruder auf Durchreise in Schaffhausen. Hier schmerzen ihn allerdings die Füsse so sehr, dass er die Erbsen, die er zwecks Selbstkasteiung in den Schuhen trägt, weich kocht. Ein weiteres Mal, da er in Schaffhausen weilt, wird viel Fatzwerk mit ihm getrieben und er wird von bösen Buben mit Gassenkot beworfen.

Was ich eigentlich sagen wollte: Der Simplicissimus kommt während der Corona-Krise wie gerufen. Dachte ich und begann ihn vor ein paar Tagen erneut zu lesen. Aber bald schon wollte ich ihn am liebsten in die Ecke schmeissen. Du elende Närrin, sprach ich zu mir, wieso tust du dir das an? Dieser Roman ist ein verdammt harter barocker Brocken. Und man selbst fühlt sich wie Sisyphos, wenn man ihn wälzt, denn die Seiten werden nicht weniger. Man muss sich diesen Simplicissimus verdienen. Vor allem dann, wenn man ihn in der Originalsprache des 17. Jahrhunderts und nicht in der modernisierten Variante lesen will: Das ist beschwerlich, aber der Versuch lohnt sich, wenn man etwas Sitzfleisch hat. Die Sprache ist einfach zu possierlich und bereichernd, um sie sich entgehen zu lassen.

Wenn Sie also selbst nicht eine Reihe von Büchern haben, die Sie nochmals lesen möchten, dann sei Ihnen der Simplicissimus empfohlen. Auch wenn Sie (wie ich wahrscheinlich dieses Mal) irgendwann daran scheitern oder durchdrehen, er ist es wert.

Empfehlenswert ist beispielsweise die von Dieter Breuer herausgegebene Originalsprachen-Ausgabe («Deutscher Klassiker Verlag»).

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Als Erdbeerroulade wiedergeboren https://www.shaz.ch/2020/04/25/als-erdbeerroulade-wiedergeboren/ https://www.shaz.ch/2020/04/25/als-erdbeerroulade-wiedergeboren/#comments Sat, 25 Apr 2020 09:55:00 +0000 https://www.shaz.ch/?p=4556 Am Rande der Verzweiflung ist jedes Mittel recht: Auch professionelle Aufräumhilfe von Mari ­Kondo. Zu wahrem Glück findet man aber dann doch allein. Neue Serie: «Was tun?» Folge 6: Ordnung nach Mari Kondo.Versammlungsverbot und Selbstisolation: Das kann schnell langweilig werden. Deshalb liefert die AZ jede Woche eine erprobte Idee, wie man sich beschäftigen kann, wenn […]

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Am Rande der Verzweiflung ist jedes Mittel recht: Auch professionelle Aufräumhilfe von Mari ­Kondo. Zu wahrem Glück findet man aber dann doch allein.

Neue Serie: «Was tun?» Folge 6: Ordnung nach Mari Kondo.
Versammlungsverbot und Selbstisolation: Das kann schnell langweilig werden. Deshalb liefert die AZ jede Woche eine erprobte Idee, wie man sich beschäftigen kann, wenn fast alles verboten ist.
Folge 1: Burek backen
Folge 2: Online-Tutorials
Folge 3: Hobbyastronomie
Folge 4: Eierfärben
Folge 5: Selbstschur
Folge 7: Simplicissimus


Seit ein kleines quietschfideles Menschlein – nun eineinhalb Jahre alt, mit diktatorischen Zügen ausgestattet – meine ungeteilte Aufmerksamkeit verlangt, ist es mit dem harmonischen Zuhause vorbei. Es vergeht kein Tag, an dem sich kein Geschirr stapelt, ich nicht gegen Kolonien von hartnäckigen Staubmäusen kämpfen oder gemeingefährlich platziertes Spielzeug aus dem Weg räumen muss. 

Besonders hart hat es meinen Kleiderschrank getroffen. Wo einst Pullis, Hosen und Shirts einigermassen übersichtlich abgelegt waren, herrscht jetzt pure Anarchie. Ein Urwald aus Stoff, der längstens die Grenzen des Schranks überwunden hat, nimmt mittlerweile das ganze Schlafzimmer in Beschlag. Und während mein Kind kleine und grosse Kleiderhaufen zu Kletterübungszwecken erklimmt, steigt mein Leidensdruck ins Unermessliche. 

Ich muss aufräumen. Nur sind die gängigen Methoden fehlgeschlagen und es mangelt deutlich an Platz. Deshalb ruf ich etwas widerwillig die Päpstin der Ordnung auf den Plan: Mari Kondo. Haben Sie noch nie von der flinken Japanerin gehört, die seit ein paar Jahren mit ihren Ratgebern Millionen scheffelt? Dann verbringen Sie eindeutig zu wenig Zeit im Internet, auf Netflix oder in Bücherabteilungen, die der sogenannten Frauenliteratur gewidmet sind. 

Wer zum Vergnügen oder Selbstkasteiung die zauberhafte Welt der Mari Kondo betritt, wird nicht nur nie mehr Unordnung erdulden müssen, nein, sie oder er wird als neuer Mensch geboren. Zumindest so das Versprechen, das im Handel knappe 20 Franken kostet. Kondo schwebt in ihrem Buch leichtfüssig durch die Wohnungen aller Welt und propagiert weibliche Perfektion, die mein feministisches Herz zum Weinen bringt. Aber ihr Prinzip ist einfach: Das, was dir keine Freude macht, muss weg. «Does it spark joy?», fragt Kondo mit einer niederschmetternden Naivität und bringt die Leute dazu, ihren Krempel tonnenweise aus dem Haus zu schaffen. Natürlich kauft man dann neue, schöne Dinge, die auf Kondos Online-Shop zu finden sind, aber das ist eine andere Geschichte. 

Ich strebe weder eine Wiedergeburt noch das Dezimieren meiner Garderobe an, aber eines muss ich Kondo lassen: Jedes Kleidungsstück in die Hand zu nehmen, macht Sinn. Plötzlich steigen Teile aus den Untiefen des Schranks, die wahrscheinlich seit Jahren kein Tageslicht gesehen, und andere, die ihr Haltbarkeitsdatum längstens überschritten haben. Einiges kann tatsächlich weg und landet in der Altkleider-Sammlung. Und nach eingehender Auslese ist der Haufen tatsächlich kleiner geworden.

Ordentlich ist es aber noch nicht. Darum mache ich mich ans Falten. Da schlägt Mari Kondo eine Technik vor, die leicht an Origami erinnert: Der Pullover wird nicht wie gewohnt nach dem Einschlagen der Ärmel in der Mitte einmal, sondern in seiner ganzen Länge dreimal gefaltet, damit ein Päckchen entsteht, das dann stehend in den Schrank gestellt werden soll. Wer nun rätselt, wie das gehen soll, fühlt sich so wie ich beim Hantieren mit der Wäsche. Egal wie ich die Teile auch falte, stehen wollen die Dinger nicht. Ausserdem muss man sich wohl einen Mari-Kondo-Schrank zulegen, um die Methode richtig durchzuziehen, denn in meinem müsste ich hintereinander stehende Reihen machen, was absolut widersinnig ist. Nach dem fünften Versuch gebe ich auf und entwickle meine eigene, platzsparende Faltart, die ich ganz ohne Bereicherungsaussichten hier weitergebe: Ich falte nicht. Ich schlage die Ärmel ein und rolle dann das Kleidungsstück zusammen. Das sieht dann etwas nach Erdbeerroulade aus, funktioniert aber. Erstaunlich schnell findet jedes Stück seinen Platz und ich, ganz ohne Mari Kondo,  allmählich zum Glück. 

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Hippie, Punk und Bünzli https://www.shaz.ch/2020/04/17/hippie-punk-und-buenzli/ https://www.shaz.ch/2020/04/17/hippie-punk-und-buenzli/#comments Fri, 17 Apr 2020 10:17:21 +0000 https://www.shaz.ch/?p=4510 Sich selbst die Haare schneiden ist kein Schleck. Immerhin kann man dabei einiges ausprobieren. Wenn man die Sauerei nicht fürchtet. Neue Serie: «Was tun?» Folge 5: Selbstschur.Versammlungsverbot und Selbstisolation: Das kann schnell langweilig werden. Deshalb liefert die AZ jede Woche eine erprobte Idee, wie man sich beschäftigen kann, wenn fast alles verboten ist.Folge 1: Burek […]

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Sich selbst die Haare schneiden ist kein Schleck. Immerhin kann man dabei einiges ausprobieren.
Wenn man die Sauerei nicht fürchtet.

Neue Serie: «Was tun?» Folge 5: Selbstschur.
Versammlungsverbot und Selbstisolation: Das kann schnell langweilig werden. Deshalb liefert die AZ jede Woche eine erprobte Idee, wie man sich beschäftigen kann, wenn fast alles verboten ist.
Folge 1: Burek backen
Folge 2: Online-Tutorials
Folge 3: Hobbyastronomie
Folge 4: Eierfärben
Folge 6: Ordnung nach Mari Kondo
Folge 7: Simplicissimus


Die Sonne ist ein fieses Ding, besonders wenn sie direkt von hinten kommt. Mein Schatten, der vor meinem Velo her über den Asphalt rauschte, sah aus wie jener eines Zirkusclowns. Wegen der frühmorgendlichen Kühle hatte ich mir eine Kappe über die Ohren gezogen. Im Schattenriss zeichnete sie als Glatze zusammen mit der darunter hervorquellenden Haarpracht den perfekten dummen August. Ich hatte genug.

Bis jetzt war meine Haarlänge eine Wellenbewegung gewesen, die in langsamem Auf und Ab den Jahreszeiten folgte: Ab Herbst liess ich mir den Winterpelz wachsen. Wurde es im Frühling wärmer, pilgerte ich zum Coiffeur meines Vertrauens und erhielt den befreienden Frühlingsschnitt. Doch dieser ist seit vier Wochen zur Untätigkeit verdammt. Tagsüber stiegen die Temperaturen schon über zwanzig Grad. Nachmittags um drei konnte ich meine Kopfhaut leise köcheln hören.

In der Verzweiflung griff ich zur Selbsthilfe. Von Redaktionskollegen erhielt ich die notwendigen Werkzeuge: einen Top-Haartrimmer mit zwei verschiedenen Aufsätzen und eine Coiffeur-Schere, «feinste Importware aus Hanoi!».

Die einschlägigen Seiten zum Thema, die zurzeit im Internet grassieren, liess ich beiseite. Mit einer Ausnahme: Wenn ich mir schon die Haare selber scheren musste, so wollte ich mir wenigstens einmal im Leben eine Irokesen-Frisur aufs Haupt zaubern. Zuckerwasser sei für die Herstellung von «markanten Punkfrisuren» geeignet, lernte ich. Dafür müsse man Zucker in warmem Wasser auflösen und in eine leere Sprühflasche füllen: «Je mehr Zucker du verwendest, umso besser hält deine Frisur!»

Die Vorarbeiten waren rasch erledigt. Um zu vermeiden, dass der Haartrimmer vor Überarbeitung zu rauchen begann, erledigte ich das Gröbste mit der Schere. Dann surrte ich von beiden Seiten gegen den Scheitel. Ein kleines Missgeschick geschah, als ich ein bisschen zu fest zulangte und der Aufsatz des Trimmers in die kleinste Stufe zurückrutschte. Ob mein Coiffeur, so er denn wieder arbeiten darf, auch Haartransplantationen vornimmt? Zum Glück lag noch eine leere Flasche Fensterputzmittel herum. Ich füllte kräftig Zucker und gelbe Wasserfarbe rein und glaubte, nun die magische «Sex Pistol» in den Händen zu halten. Klebriger gelber Nebel begann das Badezimmer in ein schwefliges Hammam zu verwandeln.

Eine Stunde später sass ich immer noch mit hängendem Kopf über einem elektrischen Heizlüfter. Ich hatte nicht bedacht, dass ich mittschädlig mittlerweile doch unter einer gewissen Haarwuchsdefizienz litt. Das magere Büschel war immer wieder in sich zusammengebrochen, kaum war ich vor die Kamera getreten. Mit zwei zusätzlichen Zuckerschüssen gelang es mir aber doch noch, wenigstens für zehn Sekunden, meinen Kamm zu stellen.

Der Rest war schnell erledigt. Bald erinnerten nur noch ein Berg Haare und allenthalben verteilte zuckersüsse gelbe Flecken an die grimmige Schlacht, deren Zeuge mein Bad soeben geworden war.

Am meisten freuten sich die Ameisen. Sie hatten eine neue Zuckermine entdeckt.

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Omas von morgen https://www.shaz.ch/2020/04/11/omas-von-morgen/ https://www.shaz.ch/2020/04/11/omas-von-morgen/#comments Sat, 11 Apr 2020 09:51:34 +0000 https://www.shaz.ch/?p=4481 Was tun allein an Ostern? Einen neuen Brauch einführen, vielleicht. Oder einen alten aufrechterhalten. Jedenfalls: Eierfärben. Neue Serie: «Was tun?» Folge 4: Eierfärben.Versammlungsverbot und Selbstisolation: Das kann schnell langweilig werden. Deshalb liefert die AZ jede Woche eine erprobte Idee, wie man sich beschäftigen kann, wenn fast alles verboten ist.Folge 1: Burek backenFolge 2: Online-TutorialsFolge 3: […]

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Was tun allein an Ostern? Einen neuen Brauch einführen, vielleicht. Oder einen alten aufrechterhalten. Jedenfalls: Eierfärben.

Neue Serie: «Was tun?» Folge 4: Eierfärben.
Versammlungsverbot und Selbstisolation: Das kann schnell langweilig werden. Deshalb liefert die AZ jede Woche eine erprobte Idee, wie man sich beschäftigen kann, wenn fast alles verboten ist.
Folge 1: Burek backen
Folge 2: Online-Tutorials
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Folge 7: Simplicissimus

Das Eierfärben gehörte immer zum Frühlingsanfang dazu. Ein gemeinsamer Brauch der Grossmutter, katholisch, und der Enkelin, konfessionslos. Als ich klein war, schaute ich der Grossmutter am Küchentisch bei dieser Arbeit zu, rutschte auf dem Stuhl rum und half auch mit. Später, als meine Hände immer sicherer – und ihre etwas fahriger wurden, übernahm ich. Sie mischte die Farbe im Topf, kochte dann die vorbereiteten, mit Kräutern verzierten Eier. Jedes Jahr ging ich zum Eierfärben zu ihr, es wurde zur festen Grösse im Pflichtenheft, und manchmal war ich in Gedanken bei scheinbar wichtigeren Dingen.

Vor nicht langer Zeit starb der Grossvater. Irgendwann in einer schweren Stunde, als könnte es ein Trost sein, hörte ich mich zu meiner Grosi sagen, dass wir jetzt bald wieder Eierfärben würden. Seltsam. Oder auch nicht. Es geht weiter.

Auch jetzt, da unsere Welt Kopf steht wegen Corona, tut es gut, einen Brauch aufrechtzuerhalten. Oder sich einen neuen anzueignen. Jetzt, an Ostern zum Beispiel, falls Sie nicht wie sonst mit Ihrer Familie, Ihren Freunden zusammensein können, sondern alleine zu Hause sitzen. Wie wäre es also mit Eierfärben, wenn Sie es nicht bereits eh schon tun?

Schere, alte Strümpfe, in Vierecke geschnitten, Garn, rohe Eier, Kräutchen und Blumen: Alles liegt bereit bei mir zu Hause auf dem Terrassentisch. Zusammen mit ein paar anderen Frauen färbte meine Grossmutter früher auf diese Weise jeweils 700 Eier für die Terre des Hommes. Mir genügen 30 Stück, was zwei, drei Stunden dauert insgesamt.

Traditionelle Technik, von schweizerischen wie von serbischen Grossmüttern überliefert.
Traditionelle Technik, von schweizerischen wie von serbischen Grossmüttern überliefert.

Ich nehme ein Ei, befestige darauf mit etwas Wasser ein Blatt, eine Blüte. Lege dann das Strumpfstück darüber, straffe es sorgfältig und binde mit Garn ein Päckchen. Dabei muss man es möglichst fest schnüren, ohne dass man die Pflanzenverzierung zerrupft. Bei den Blättern eignen sich zum Beispiel Winterlinge, Erdbeer oder Hahnenfuss. Bei den Blüten etwa Immergrün; während Buschwindröschen und Primeli etwas fein sind, kann aber auch gut funktionieren. Wer Zeit und Nerven hat, verziert die Eier rundum. Oder wer beim späteren Eiertütsch für Verwirrung sorgen will, kann Hybride aus verschiedenen Pflanzengattungen abbilden, und zum Beispiel ein Erdbeerblatt mit einem Geissenblümchen zusammenwachsen lassen. Hat es alles schon gegeben.

Ei um Ei packe ich so alleine ein zu Hause auf der Terrasse. Meine Mitbewohnerin schaut mir über die Schulter. Oh, das würde ich auch gern mal wieder tun, sagt sie. Ihre Oma in Serbien macht es auch so. Es ist eine Bauerntradition, eigentlich färbt man die Eier mit Zwiebelschalen, die man über die Monate hinweg sammelt. Wir nehmen dieses Jahr Sandelholz, Blauholz und Gelbholz aus der Drogerie.

Mit den fertig eingepackten Eiern mache ich mich auf den Weg zu meiner Grossmutter. Während sie sie kocht, warte ich draussen an der Sonne, gespannt, denn das Auspacken ist immer das Beste. Jedes Ei nimmt die Farbe anders an, oft läuft das gefärbte Wasser zu fest unter die Blättchen und macht den Abdruck schwächer. Aber man muss trotzdem jedes Ei über die Massen loben, das ist Pflicht.

Und dieses Jahr macht es ganz besonders Freude, was sofort klar wird, als meine Grossmutter mit dem Korb Ostereier in den Garten tritt. Jetzt hat der Frühling begonnen, wir haben uns danach gesehnt.

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Mein Balkon ist eine Sternwarte https://www.shaz.ch/2020/04/03/mein-balkon-ist-eine-sternwarte/ https://www.shaz.ch/2020/04/03/mein-balkon-ist-eine-sternwarte/#comments Fri, 03 Apr 2020 13:24:44 +0000 https://www.shaz.ch/?p=4448 Unsere Wohnungen kommen uns gerade sehr klein vor. Gut, ist das Universum unendlich gross. Und der Zeitpunkt für einen Einstieg in die Astromonie ist perfekt. Neue Serie: «Was tun?» Folge 3: Hobbyastronomie.Versammlungsverbot und Selbstisolation: Das kann schnell langweilig werden. Deshalb liefert die AZ jede Woche eine erprobte Idee, wie man sich beschäftigen kann, wenn fast […]

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Unsere Wohnungen kommen uns gerade sehr klein vor. Gut, ist das Universum unendlich gross. Und der Zeitpunkt für einen Einstieg in die Astromonie ist perfekt.

Neue Serie: «Was tun?» Folge 3: Hobbyastronomie.
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Anmerkung: Die astronomischen Angaben beziehen sich auf die Region Schaffhausen und auf Anfang April 2020. Was jeweils gerade am Himmel los ist, finden Sie mit den Tips und Links am Ende des Artikels heraus.

Morgens um sechs Uhr sitze ich auf dem Balkon und friere. Es dämmert schon, aber noch ist es dunkel genug. Der Jupiter versteckt sich von mir aus gesehen gerade hinter dem Turm des Münsters zu Allerheiligen. Aber ganz in der Nähe sehe ich von Auge einen hellen Punkt, und ich weiss, was mich da aus 1500 Millionen Kilometern Entfernung anfunkelt. Ich richte das Teleskop aus und werde für das Frühaufstehen und Frieren belohnt: Saturn. Scharf und klar kann ich den charakteristischen Ring erkennen. Mein Teleskop: ein Kartonbausatz.

Sie haben jetzt Zeit, ein neues Hobby auszuprobieren? Um Ihren Lebensraum auf der Erde stand es schon besser – kein schlechter Zeitpunkt, um den Blick zu den Sternen zu richten. Ein Nachmittag in der Selbstisolation lässt sich mit Vorbereitung und Recherche verbringen, aber richtig spannend wird es natürlich nach Sonnenuntergang.

Erste Entdeckungen ganz ohne Teleskop

Für den ersten Einstieg brauchen Sie nichts ausser eine wolkenlose Nacht. Sie haben Glück: Jetzt ist gerade die ideale Zeit, um möglichst viele Sternbilder zu sehen. Auch der Mond ist gerade sehr gut zu beobachten: Die zunehmende Sichel ist noch nicht zu hell, und die von der Sonne abgewandte Seite ist zu erkennen, weil sie vom Sonnenlicht, das die Erde reflektiert, leicht erhellt wird.

Mit Linsen und Spiegeln wird der Nachthimmel noch eindrücklicher. Sie müssen aber nicht gleich Hunderte oder Tausende von Franken für ein Teleskop ausgeben. Liegt irgendwo ein Feldstecher rum? Je nach Grösse der Öffnung sehen Sie damit schon deutlich mehr als von blossem Auge. Ein paar Tipps vom Team der momentan geschlossenen Sternwarte: Suchen Sie mit einem der am Textende vorgestellten Tools den Orionnebel (unterhalb der drei Sterne, die den Gürtel bilden), den Kugelsternhaufen M41 (unterhalb des Sirius) oder den Doppelstern Alkor und Mizar in der Deichsel des Grossen Wagens. Highlight: Vom 2. bis zum 5. April zieht die Venus vor den Plejaden vorbei.

Die Planeten unseres Sonnensystems sind hervorragende Einsteigerobjekte. Die Venus ist aktuell als heller Abendstern zu sehen. Mars, Jupiter und Saturn stehen nahe beieinander und begrüssen Frühaufsteher. In den nächsten Tagen sind alle drei um halb sechs optimal sichtbar.

Auf den Spuren von Kopernikus und Galileo Galilei

Als erste Entdeckung empfehle ich: Bringen Sie das geozentristische Weltbild zum Einsturz!

Mit einem Feldstecher oder einem einfachen Teleskop können Sie die vier grössten Monde des Jupiters sehen, die nach ihrem Entdecker die galileischen Monde genannt werden. Ausserdem sollten Sie erkennen können, dass die Venus nicht rund erscheint: Sie nimmt zu und ab wie der Mond. Jetzt ist gerade «Halbvenus». Kopernikus hatte die Phasen der Venus vorausgesagt, noch bevor Galileo Galilei sie vor gut 400 Jahren beobachtete.

Mit einem Blick auf die Venus am Abend und auf den Jupiter am Morgen können Sie den Beweis, dass sich nicht alles um die Erde dreht, selber nachvollziehen. Überhaupt hat das Universum die grossartige Eigenschaft, unsere irdischen Angelegenheiten in eine neue Perspektive zu setzen – und ich finde, das können wir gerade ziemlich gut brauchen.

Tipps, Apps und Links

  • Gute Sternkarten, gewissermassen das Planetarium in der Hosentasche, bieten die App «Skyview» und stellarium-web.org (mit Anwendungen für alle Betriebssysteme).
  • Sehr empfehlenswert: das tägliche Bulletin «Heute am Himmel» auf astronomie.info
  • Den Bausatz für ein Newton-­Spiegelteleskop (abgesehen von hochwertigen Spiegeln und Linsen komplett aus Karton) finden Sie für 29.90 Franken auf astromedia.ch.
  • Wichtig: ­Blicken Sie nie ohne Sonnenfilter auf die Sonne, Erblindungsgefahr!
  • Die Hobbyastromomen der Schweiz sind sich einig: Das beste Geschäft in der Schweiz für den Kauf eines «richtigen» Teleskops ist Foto Video Zumstein in Bern. Beratung und Bestellung sind während des Shutdowns per Telefon möglich.

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Beiss die Hand, die dich füttert https://www.shaz.ch/2020/03/27/beiss-die-hand-die-dich-fuettert/ https://www.shaz.ch/2020/03/27/beiss-die-hand-die-dich-fuettert/#comments Fri, 27 Mar 2020 12:03:36 +0000 https://www.shaz.ch/?p=4423 Das World Wide Web bietet zu jeder Lösung das passende Problem. Stichwort Sandwichfrage. Grosse Herausforderungen warten auf Sie. Neue Serie: «Was tun?» Folge 2: Online-Tutorials.Versammlungsverbot und Selbstisolation: Das kann schnell langweilig werden. Deshalb liefert die AZ jede Woche eine erprobte Idee, wie man sich beschäftigen kann, wenn fast alles verboten ist.Folge 1: Burek backenFolge 3: […]

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Das World Wide Web bietet zu jeder Lösung das passende Problem. Stichwort Sandwichfrage.
Grosse Herausforderungen warten auf Sie.

Neue Serie: «Was tun?» Folge 2: Online-Tutorials.
Versammlungsverbot und Selbstisolation: Das kann schnell langweilig werden. Deshalb liefert die AZ jede Woche eine erprobte Idee, wie man sich beschäftigen kann, wenn fast alles verboten ist.
Folge 1: Burek backen
Folge 3: Hobbyastronomie
Folge 4: Eierfärben
Folge 5: Selbstschur
Folge 6: Ordnung nach Mari Kondo
Folge 7: Simplicissimus

Nicht ohne Grund bezeichnen Menschenrechtsorganisationen Einzelhaft als Folter. Soziale Deprivation ist nicht nur unangenehm, sondern auf Dauer auch höchst ungesund. Auch wenn sich die aktuelle Situation nicht mit Haftbedingungen vergleichen lässt, die Folgen unserer (dringend nötigen) Selbstisolation sind symptomatisch.

Um den Folgen der Deprivation entgegenzuwirken und das halb gelangweilt apathische, aber gleichzeitig nervös besorgte Quarantänevolk etwas aufzuheitern, sind sogenannte «Social-Media-Challenges» das Mittel der Wahl. Alain Berset machts vor: In den sozialen Medien fordert er unter dem Hashtag #soschützenwiruns Schweizer Promis wie Roger Federer oder Christa Rigozzi dazu auf, ein Video hochzuladen, in dem sie die Leute zum Zuhausebleiben und Händewaschen animieren sowie Zusammenhaltsparolen verkünden.

Die echten Herausforderungen

Alles schön und gut. Wenigstens werden so auch die abgeholt und eingebunden, welche die Fakten erst von König Roger selbst hören müssen, bevor sie den Experten Glauben schenken. Falls es die überhaupt gibt. Nur, eine echte «Challenge», im Sinne einer Herausforderung, ist das nicht, was Herr Berset da initiiert hat.

Die echten Herausforderungen in der Welt des Internets nennen sich nicht «Challenges», sondern «Tutorials». Beinahe für jede Aufgabe des Lebens bietet das World Wide Web eine konkrete Anleitung. Und damit auch einen Grund, sich einmal vom Bildschirm zu lösen, um etwas anzupacken.

Zu lösende Probleme gibt es schliesslich genug. Und wenn Ihnen gerade keine einfallen, liefert die Internet-Community auch gleich das Problem zur Lösung. Haben Sie sich zum Beispiel noch nie darüber enerviert, wie unpraktisch Sandwiches sind? Nein? Ich auch nicht. Sind sie aber. Zwar sehen sie schön aus, doch sobald man reinbeisst, flutscht der Inhalt raus, die Sosse tropft, Krümel verteilen sich überall. Ganz abgesehen davon, dass mit den Händen essen momentan wohl ziemlich riskant sein könnte, gewaschen oder nicht.

Die Lösung: Brothandschuhe. Nicht das Brot muss in die Hände, sondern die Hände ins Brot. So verwandelt sich alles, was man anfasst, automatisch in ein Sandwich. Ausserdem werden die Hände nicht schmutzig, da sie ja selbst das Sandwich sind. Die Vorteile liegen sprichwörtlich auf der Hand.

Die Welt aus Sandwich-Perspektive

Zum Glück hat uns ein aufgeweckter Australier auf seinem Youtube-Kanal namens I did a thing («Ich habe etwas gemacht») eine detaillierte Video-Anleitung dazu hinterlassen. Wir haben sie getestet und können bezeugen: Brothandschuhe sind zwar wenig überraschenderweise ziemlich nutzlos, doch gegen Langeweile helfen sie hervorragend. Ausserdem kann es nicht schaden, die Welt einmal aus der Sicht eines Sandwiches zu sehen.

Wenn Sie auch gerne die grossen Probleme der Menschheit lösen wollen, Ihnen bisher aber noch die passende Idee fehlt, sei Ihnen Youtube wärmstens ans Herz gelegt. Hier gibt es Bauanleitungen für Raketen, mit denen man Bäume pflanzen kann (ebenfalls vom Brothandschuh-Youtuber), oder auch eine Anleitung dafür, wie man aus seinen Haaren einen Ring für Seifenblasen herstellt (von «Jenna Marbles»). Passend auf die aktuelle Situation könnten Sie auch eine Drohne bauen, die Häuser selbstständig in Klopapier einwickelt («Mike Boyd»). Zu Isolationszwecken.

Eine andere Quelle für unorthodoxe Ideen, die auch in Isolation realisierbar sind, ist die Website Wikihow.com. Hier kann man beispielsweise lernen, wie man sich mit einem «Furby» (seltsam aussehende, sprechende Stofftiere) anfreundet oder in der Fantasiesprache der «Elben» aus Der Herr der Ringe schreibt. Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungsberichte.

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Verbindungen aus Teig https://www.shaz.ch/2020/03/21/verbindungen-aus-teig/ https://www.shaz.ch/2020/03/21/verbindungen-aus-teig/#comments Sat, 21 Mar 2020 13:42:29 +0000 https://www.shaz.ch/?p=4366 Unsere Redaktorin ist ihrer Herkunft ein Stück nähergekommen und hat mit ihrer Mutter Burek gebacken: das Traditionsgericht aus dem Balkan. Neue Serie: «Was tun?» Folge 1: Wir backen Burek.Versammlungsverbot und Selbstisolation: Das kann schnell langweilig werden. Deshalb liefert die AZ jede Woche eine erprobte Idee, wie man sich beschäftigen kann, wenn fast alles verboten ist.Folge […]

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Unsere Redaktorin ist ihrer Herkunft ein Stück nähergekommen und hat mit ihrer Mutter Burek gebacken: das Traditionsgericht aus dem Balkan.

Neue Serie: «Was tun?» Folge 1: Wir backen Burek.
Versammlungsverbot und Selbstisolation: Das kann schnell langweilig werden. Deshalb liefert die AZ jede Woche eine erprobte Idee, wie man sich beschäftigen kann, wenn fast alles verboten ist.
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Folge 6: Ordnung nach Mari Kondo
Folge 7: Simplicissimus


Es ist für sie Routine, aber nachlässig ist sie deshalb nicht geworden. Vierundzwanzig Teigkugeln liegen ordentlich aufgereiht vor ihr. «Sie müssen alle etwa gleich gross sein. Aber das habe ich mittlerweile im Gefühl», betont sie. Mit einem Wallholz bearbeitet sie den Teig, dreht ihn immer wieder, bis er gleichmässig und so dünn ist wie ein Blatt Papier, etwa so gross wie eine Pizza. Ihre Bewegungen sind flink und geübt. «Burek machen ist nichts für Ungeduldige», sagt meine Mutter.

Burek oder Byrek, wie es auf Albanisch heisst, ist ein beliebtes Gericht auf dem Balkan. Das Rezept und die Zubereitungsart wurden über Generationen von Müttern an ihre Töchter weitergegeben – für die Diaspora ist Burek ein Stück teiggewordene Heimat. Keine Spezialität aus dem Balkan ist mit so viel Pathos behaftet.

Das Traditionsgericht

Auf unserem Küchentresen stehen Schüsseln mit gehacktem Spinat und Zwiebeln. «Wir machen heute die klassische Variante», sagt meine Mutter. Vorsichtig mischt sie nach und nach lauwarmes Wasser unter das Weissmehl und rührt, bis sich eine Masse bildet. «So, jetzt du», sagt sie. Ich knete den Teig, bis er ganz glatt ist und eine luftige Konsistenz erreicht.

In der Zwischenzeit dünstet meine Mutter den Spinat und die Zwiebeln in einer Pfanne an. «Vielleicht würde ich nicht so oft Burek machen, wenn es kein Traditionsgericht wäre», sagt sie. Zwischen zwei und drei Stunden kann es nämlich dauern, bis es so weit ist und man die Schürze ablegen und das Backblech aus dem Ofen ziehen kann.


Während sie Halbrahm über den Spinat in die Pfanne giesst und rührt, erzählt mir meine Mutter, wie sie vor etwa dreissig Jahren lernte, Burek zu backen. «Mir war das damals ein bisschen peinlich, dass ich kaum kochen konnte und dein Vater dafür ständig in der Küche stand», sagt sie lachend. Meine Eltern waren bereits verheiratet und lebten in der Schweiz. Fast jeden Sommer fuhren sie damals aber noch nach Kosovo, um unsere Familie zu besuchen. «Ich stand oft bei meiner Mutter in der Küche und blickte ihr über die Schulter. So wie du jetzt mir», sagt sie.

Der Teig, der kurz in der Schüssel geruht hat, muss nun ausgerollt werden, erklärt sie. Dafür formt sie ihn in die Länge und portioniert ihn in viele kleine Kugeln, aus denen Teigfladen werden müssen.

Von Generation zu Generation

«Warum ist Burekbacken eigentlich Frauensache?», frage ich.
«Das ist ein traditionelles Überbleibsel», sagt meine Mutter. «Aber die Zeiten haben sich geändert und das ist gut so. Von dir erwartet heute niemand mehr, dass du das kannst», sagt sie, als sie den Teig bearbeitet.

Der runde, ausgerollte Teig liegt nun vor ihr. Sie bestreicht ihn mit der warmen Spinatmasse, der sie zuvor noch ein Ei untergemischt hat. Dann klappt sie die beiden Enden zu. Einmal, zweimal, bis sie sich in der Mitte treffen. Vorsichtig legt sie die Teigrolle auf das eingefettete Backblech.

Wir haben zwei quadratische Backformen mit Teig gefüllt. Oft legt man den Burek schneckenförmig im runden Blech an. «Das ist zwar hübsch anzusehen, aber etwas umständlich», sagt meine Mutter. Deshalb machen wir bloss gerade Reihen. Der Ofen wird auf 200 Grad erhitzt. Meine Mutter träufelt noch etwas Rahm über die Teigreihen. «Damit der Burek nicht trocken wird», erklärt sie. Danach verschwinden die Bleche für jeweils circa vierzig Minuten im Ofen.

Meine Mutter wäscht sich das Mehl von den Händen und sagt: «Wer weiss. Vielleicht bringst du das deinen Kindern auch eines Tages bei. Auch deinen Söhnen.»

Zutaten (für etwa fünf Personen): 
Drei Zwiebeln, 500 g Spinat, 1 Ei, 250 ml Rahm, 1 EL Sonnenblumenöl für die Füllung.
1 kg Weissmehl, 1 EL Salz und 3 Gläser lauwarmes Wasser à 200 ml für den Teig.

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