Schaffhauser AZ https://www.shaz.ch/ Die lokale Wochenzeitung Thu, 16 Apr 2026 11:22:05 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.4.8 https://www.shaz.ch/wp-content/uploads/2018/11/cropped-AZ_logo_kompakt.icon_-1-32x32.jpg Schaffhauser AZ https://www.shaz.ch/ 32 32 «Guete Obig. Mir sind Defo.» https://www.shaz.ch/2026/04/18/guete-obig-mir-sind-defo/ Sat, 18 Apr 2026 06:00:00 +0000 https://www.shaz.ch/?p=10812 Die Schaffhauser Band Defo taufte ihr Debutalbum im TapTab. Darauf versucht die Band, Einflüsse verschiedener Richtungen zusammenzubringen. Mit Erfolg.

The post «Guete Obig. Mir sind Defo.» appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Die Schaffhauser Band Defo taufte ihr Debutalbum im TapTab. Darauf versucht die Band, Einflüsse verschiedener Richtungen zusammenzubringen. Mit Erfolg.

Sommer 2025: In der Küche eines Hauses in der Region Schaffhausen sitzt eine Katze auf einem Mischpult. Fünf Musiker haben sich für einige Tage in den Räumen eines Einfamilienhauses eingerichtet. Wohnzimmer und Küche sind zum Studio umfunktioniert, durch die Räume hallt Lärm, neben dem Esstisch steht ein Monitor, auf der Toilette ein Mikrophon. Kurz nachdem sich die Band eingerichtet hat, gesellt sich die Katze aus dem Quartier dazu. «Alfredo ist wieder da», sagt einer der fünf Musiker einmal ironisch, als sich die Katze trotz des konstanten Lärms wieder und wieder unter die Band mischt. Nach ein paar Tagen wird Alfie daraus.

Dem treuesten aller Zuhörer hat die Schaffhauser Rap-Band Defo ihr Debutalbum gewidmet. «Songs for Alfie» lautet der Titel der Platte, mit der die fünf Musiker letzten Samstag das TapTab füllten. Sowohl der AZ-Kreuzworträtsel-Macher Jérôme Ehrat als auch Elmar Oettli alias Rapper Sherpa («OG drissg Plus»), der leidenschaftliche Fischer Daniel Perrin («Es muss nicht immer der ganz grosse Fang sein»), Luca Padovan aus dem ehemaligen Rhybadi-Team oder Bruno Marques als Teil der ehemaligen Hardcore-Punk-Band Mad Brains («Bruche chan mer eus nöd!») dürften zahlreichen Leser:innen Schaffhauser Lokalmedien bekannt sein.

Doch Defo, das ist etwas Neues. Etwas, das weder hedonistisch-wutvoller-HC-Nihilismus noch reibungsgeladenes Hip-Hop-Game sein will. Die Band verzichtet darauf, sich mit zu viel Konzept zu überladen. Stattdessen arbeitet sie mit Bedacht.

S Reale verschiebt sich, Wahnsinn und Irrwitz
Alles formiert sich, kontinuierlich
Und wohere das goht isch en unklärti Frog
Denn mir merked erst spot:
Alles in Bewegig und alles chunnt anders
Alles in Hektik und alles im Wandel.
Nimm mi zrugg und betrachts
wiene Funke entfacht
Mache Moves mit Bedacht.
(Alles in Bewegig)

Zwischen Soundcheck und Abendessen sitzen die fünf Musiker letzten Samstagabend auf den Sofas im Backstage des TapTab. Den einen ist die kribblige Stimmung vor dem ersten gemeinsamen Konzert anzumerken, die anderen rauchen entspannt und strecken die Beine aus. «Defo, das ist Dienstagabend, Bandkeller, andere Welt, abschalten», sagt der Gitarrist Ehrat. «In der Band zu spielen ist schöner als allein zu Hause mit dem Loopgerät Sound aufzunehmen.» Der Rapper Sherpa drückt es etwas passionierter aus: «Ich nenne es gerne Leidenschaft. Musikmachen ist mir extrem wichtig. Bis anhin habe ich sehr oft allein gearbeitet. Mit Band komme ich auf neue Ideen.»

Der Song «Alles in Bewegig» steht exemplarisch für das Debutalbum von Defo. Wie der Titel des Tracks anteasert, fliesst auch auf «Songs for Alfie» alles aus verschiedenen Richtungen zusammen: In ihrem Alltag bewegen sich die fünf Musiker zwischen Schule, Museumstechnik und Bauingenieurskunst. Musikalisch stehen sie irgendwo zwischen Hardcore und einer Stilrichtung, die nach einer unterhaltsamen, kurzen Diskussion über die musikalischen Vorlieben des Keyboard-Spielers Daniel Perrin als Poprock klassifiziert wird. So wechseln sich auf dem Album melancholischer Oldschool, Funk, Rock und Jazz ab. Auf Songs, die eine ruhige, melodiöse, nachdenkliche Sprache sprechen, folgen schneller Funk, zum Schluss Rock. Tönen die Keyboard-Klänge in Kombination mit dem Beat an mancher Stelle so weich wie in einem Song der britischen Rap-Jazz-Legende Alfa Mist, dreht an anderer Stelle die Gitarre durch, als wolle sie alles abfackeln. Den Grundstein der wechselnden Genres bilden die Schaffhauser Mundart Rap-Texte von Sherpa, oft mit einer sozialkritischen Note versehen.

Sind überfluetet, sowohl vom Böse als em Guete
Vo dem Gfühl, wo di überströmt
D Emotion, wo sich ahstaut
D Emotion, wo sich ahstaut
Vo dem Züg, wo di nümme gwöhnsch
Und das, wo dr nohlauft
Vo de Infos, de Frog nachem Wohrhetsghalt
Vo Liebi – und vo roher Gwalt
Werded stetig übermannt, Ordnig und Chaos
De Pathos min Ahstoss, die Balance zfinde.
(Fluetä)

Der Song sei zuerst ohne Text entstanden, worauf sich Sherpa überlegt habe, welche Bilder die Melodie in ihm auslösen würde: Fluten kamen ihm in den Sinn. Eine Metapher für eine Zeit, in der die Herzen kälter werden, in der «Liebi nur zwüsched de Ziile» möglich scheint, in der alles auf der Kippe steht, zwischen den Extremen. Aber Defo, das merkt man, wenn man mit der Band spricht und das Album hört, will sich entfernen vom Rausch an den grossen Eskapaden. Stattdessen ist das Album eine Flucht in den Kompromiss.

Dienstagabend, Bandkeller, andere Welt: Das hört man auf jedem Song. Trotz dem Hin- und Herspringen zwischen den Stilen sickert auf jedem Track eine Ruhe durch, in der sich die Suche nach einer Übereinkunft äussert. Es ist ein ehrliches Album. Feinfühlig. Und in manchen Songs taucht im Hinterkopf die Katze Alfie auf, wie sie zwischen Mikrophon, Monitor und Schlagzeug umherschleicht, auf der Suche nach einem gemütlichen Platz in der Runde.

Einige Stunden nach dem Gespräch im Backstage leuchten auf der Bühne die dicken Lichtbalken rot und lassen den Saal und die Bühne grösser scheinen, als sie sind. Defo betritt die Bühne. Die Besucher:innen füllen den Raum. «Guete Obig. Mir sind Defo», begrüsst Sherpa das Publikum noch etwas nervös, ehe der weiche Keyboard-Klang des Intro-Songs «Doomsday» ertönt. Gitarrenriff und Drums kommen zusammen, Marques gesellt sich im 1312-SBB-Shirt und mit seinem Bass hinzu, Sherpa beginnt zu rappen:

Es isch neblig
Black Hoodie, Hose dreckig, schäbig
Doch Flows deadly, heavy
Isch scho gäbig, Beats punched täglich, Rocksteady
Wenni i de Baggy nur en Zwänni find
Lebi, strebi nur noch Raps und Skills
Kein Actionfilm, sondern s echte Ding
Schmetterlingseffekt
(Doomsday)

Es ist smoother und besonnener Sound, den Defo mit Doomsday auf die Bühne bringt. Eine Musik, die sich nicht in zu hohen Ansprüchen verliert, sondern eine Stimmung festhält und sich begnügt mit dem, was vorhanden ist. Wer ausufernde Konzeptsongs sucht, wird bei Defo also nicht fündig. Auch kompetitive Lyrics, die man sonst aus dem Rapgame kennt, gibt es auf dem Album keine. «Bei diesem Sound hat das einfach keinen Platz», sagt Sherpa vor dem Konzert. «Musikalisch macht es überhaupt keinen Sinn, angriffig oder aggressiv zu werden. Wir wären uns wahrscheinlich nicht einig darüber, wen wir jetzt würden dissen wollen.» Die fünf lachen. Sie wollen alles eine Nummer ruhiger nehmen. Bandraum, andere Welt, runterfahren. Freundschaft.

Als der Sound von Oldschool in Funk kehrt, steht Daniel Perrin hinter seinem Keyboard auf, gesellt sich hüpfend zu Sherpa in die Mitte der Bühne, tanzt im Kreis, hebt die Arme in die Höhe, um das Publikum zu animieren. Es ist eine etwas aufgesetzte, aber lustige Szene und die Zuschauer:innen steigen ein.

Dass das erste Konzert von Defo so gut besucht ist, liegt auch am Bekanntheitsgrad der fünf Musiker in der Stadt. «Schaffhausen ist unser Horizont», sagt etwa der Drummer Luca Padovan vor dem Konzert. «Dort, wo wir leben, wo wir gelandet, wo wir aufgewachsen sind. Schaffhausen ist das, was wir wahrnehmen.» Gitarrist Ehrat geht noch einen Schritt weiter: Wenn man nicht aus Schaffhausen käme, sondern aus Nidwalden, dann würde man manche Zeilen einfach nicht rappen, meint er. «Zum Beispiel jene aus Doomsday: ‹Stachle mitem Boot im Flow›. Das ist Schaffhauser Text.»

Zwischen zwei Songs erzählt Sherpa, wie man manchmal an einem Stück arbeite, alle Teile zusammensetze, aber nie ganz zufrieden sei. «Aber me mue en Punkt setze. Ihr kenned da. Next Song Sisyphus». Mit dem Verweis auf die Figur aus der griechischen Mythologie, die von den Göttern auf ewig dazu verurteilt wird, einen Stein den Berg hinaufzuschieben, eröffnet Defo aber keine konzeptuelle Referenz-Schlacht um die intelligenteste Interpretation des Sisyphos-Mythos. Stattdessen nimmt die Band das Bild der unaufhörlichen Tätigkeit als Anlass, um daraus einen stimmungsbetonten Moment zu erzeugen.

Dass sich die Katze Alfie in diesem Setting wohlfühlte, kann man nachvollziehen. Man muss sich Defo als glückliche Band vorstellen.

Wir schenken Dir diesen Artikel. Aber Journalismus kostet.
Hier geht es zum Probe-Abo: drei Monate lang jede Woche eine AZ für nur 48 Franken.

The post «Guete Obig. Mir sind Defo.» appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Nächster Halt: Gefängnis https://www.shaz.ch/2026/04/17/naechster-halt-gefaengnis/ Fri, 17 Apr 2026 06:00:00 +0000 https://www.shaz.ch/?p=10809 ÖV-Betriebe wie die VBSH erstatten pro Jahr tausende Anzeigen wegen Schwarzfahrens. Nicht selten führt das zu Gefängnisstrafen – doch der Kanton erhebt keine Zahlen.

The post Nächster Halt: Gefängnis appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
ÖV-Betriebe wie die VBSH erstatten pro Jahr tausende Anzeigen wegen Schwarzfahrens. Nicht selten führt das zu Gefängnisstrafen – doch der Kanton erhebt keine Zahlen.

Anfang Woche erhielten die Schweizerischen Bundesbahnen an ihrem Hauptsitz in Bern einen menschengrossen Fahrschein überreicht, ordnungsgemäss abgestempelt. Darauf stand gross «Kein Gefängnis für Armut!» und etwas kleiner gedruckt: «4450 Unterzeichnende verlangen von SBB und Co.: Keine Strafanzeige bei Fahren ohne Billett.»

Hinter der Aktion steht das Projekt «Freiheitsfonds» des Vereins Freiheitsentzugskritik. Dieser will neben der Petition nach dem Vorbild einer gleichnamigen deutschen Initiative auch Geld sammeln, um die Schulden von Menschen abzuzahlen, die eine sogenannte Ersatzfreiheitsstrafe absitzen. Im Jahr 2024 traten schweizweit rund 5000 Personen eine Ersatzfreiheitsstrafe an, weil sie eine Busse nicht zahlen konnten oder wollten (mehr dazu auf Seite 4), davon rund 4000 wegen einer unbezahlten Verkehrs- oder ÖV-Busse. Allein letztere machen über 40 Prozent aller Neueintritte in Schweizer Gefängnissen aus. Das zeigt die Statistik des Bundes.

Ins Gefängnis wegen einer nicht bezahlten ÖV-Busse – wie oft geschieht das in Schaffhausen? Diese Frage ist schwieriger zu beantworten als erwartet. Die AZ hat beim Amt für Justiz, bei der Schaffhauser Staatsanwaltschaft und beim Bundesamt für Statistik (BFS) nachgefragt – und ist quasi gegen Gefängnismauern angerannt. Entweder kann, wie das Amt für Justiz angibt, das interne Computerprogramm die nötige Datenanalyse nicht durchführen, oder aber die Daten werden, im Fall des BFS, unter Verschluss gehalten.

Eine Annäherung ist trotzdem möglich. Sie zeigt: Auch in Schaffhausen dürften Dutzende hinter Gittern landen, weil sie eine ÖV-Busse nicht bezahlen können.

Das liegt auch an den VBSH: Das städtische Verkehrsunternehmen reicht pro Jahr Strafanzeigen in drei- bis vierstelliger Anzahl gegen säumige Fahrgäste ein.

Klare Zahlen: «Nicht möglich»

Der Verwaltungsbericht des Kantons Schaffhausen ist ein über 150 Seiten dicker Schinken. Und erste Anlaufstelle für interessantes und weniger interessantes Zahlenmaterial: Wie oft musste die Feuerwehr ausrücken, wie viele Ruderboote sind zugelassen und wie viele Personen haben sich mit Pneumokokken angesteckt?

Darüber, wie viele Menschen wegen unbezahlten Bussen aller Art hinter Gitter müssen, erfährt man hingegen nur Bruchstückhaftes. Etwa, dass 2025 1038 Personen noch rechtzeitig ihre Geldstrafe oder Busse bezahlten, um einem Gang hinter Gitter zu entgehen, im Jahr zuvor waren es deren 812. Die andere Seite der Medaille, also die Frage, wie viele Personen pro Jahr tatsächlich eine Ersatzfreiheitsstrafe antreten – das können die Schaffhauser Justizvollzugsbehörden nicht beantworten. Auf Anfrage schreibt das Amt für Justiz: «Unser Geschäftsverwaltungssystem macht solche Abfragen nicht möglich.»

Eine verblüffende Antwort, sind diese Schaffhauser Daten doch Teil der schweizweiten Zahlen. Das bestätigt auch das Bundesamt für Statistik. Vielleicht können also die Statistiker:innen des Bundes ein paar grundsätzliche Fragen beantworten: Wie viele Personen treten in Schaffhausen eine Ersatzfreiheitsstrafe an – und wie gross ist der Anteil jener, die das wegen einer unbezahlten Busse tun? Doch auch das BFS winkt ab, nicht etwa, weil ein Computerprogramm streikt: «Mit den Kantonen haben wir vereinbart, die Daten ausschliesslich auf nationaler Ebene auszuweisen.» (Die AZ hat darauf ein Einsichtsgesuch auf Basis des Öffentlichkeitsgesetzes gestellt. Als Antwort stellt der Bund kurz vor Redaktionsschluss dann doch eine kantonale Auswertung in Aussicht, die aber noch Zeit in Anspruch nehme.)

Die einzige umfassende Analyse zu Ersatzfreiheitsstrafen hat der Kanton Zürich vor acht Jahren veröffentlicht. Sie kam zum Schluss, dass die meisten Personen eine Ersatzfreiheitsstrafe wegen unbezahlter Verkehrsbussen und ÖV-Bussen antreten. Es zeigte sich ein deutlicher Unterschied dabei, wer zahlte, bevor er oder sie ins Gefängnis musste, und wer die Ersatzfreiheitsstrafe tatsächlich antrat: Personen mit Bussen aus dem öffentlichen Verkehr landeten weitaus häufiger hinter Gittern als solche mit Bussen aus dem Strassenverkehr.

Auf Rosen gebettet sind aber die allerwenigsten: Das durchschnittliche jährliche Einkommen jener, die eine Ersatzfreiheitsstrafe angetreten hatten, lag bei 15 437 Franken. Entsprechend gaben über 80 Prozent an, sie hätten die Busse schlicht nicht bezahlen können.

«Zwei bis drei» Zellen

Von ähnlich detaillierten Zahlen sind die Behörden in Schaffhausen meilenweit entfernt. Auch im Kantonsrat waren Ersatzfreiheitsstrafen bisher kein Thema. Dabei zeigt eine grobe Schätzung, dass es jährlich Dutzende sein müssen, die wegen unbezahlten Bussen im Gefängnis in der Beckenstube landen: Bricht man die schweizweiten 4000 Umwandlungen einer Busse in eine Ersatzfreiheitsstrafe auf die Bevölkerungszahl des Kantons herunter, erhält man rund 40.

Die einzige einigermassen belastbare Grössenordnung stammt von vor zehn Jahren, als der Leiter des Amts für Justiz den Schaffhauser Nachrichten Red und Antwort stand. Zwar führte der Kanton bereits damals keine Statistik, aber der Amtsleiter gab an, man brauche an der Beckenstube für den Vollzug von Ersatzfreiheitsstrafen durchschnittlich «zwei bis drei» Gefängnisplätze. Seither sind die Ersatzfreiheitsstrafen schweizweit gestiegen.

Unbestritten ist, dass die chronisch überlastete Schaffhauser Staatsanwaltschaft (siehe AZ vom 20. Februar 2025) alle Hände voll zu tun hat mit ÖV-Bussen: Alleine während der vergangenen zwei Jahre erliess die Staatsanwaltschaft jeweils rund 1000 Strafbefehle gegen Personen wegen ÖV-Widerhandlungen. Das ist ein deutlicher Anstieg, 2018 waren es noch rund halb soviel.

Die Staatsanwaltschaft wird erst aktiv, wenn ein ÖV-Unternehmen einen Strafantrag gegen einen säumigen Gast einreicht. Und überraschend oft muss sie das wegen den Verkehrsbetrieben Schaffhausen (VBSH) tun. 2024 reichte das städtische Verkehrsunternehmen 1236 Strafanträge gegen Fahrgäste mit unbezahlten ÖV-Bussen ein, 2025 deren 702.

Die Medienstelle schreibt, dass die VBSH einen Strafantrag entweder einreichen, wenn eine Busse auch Monate nach der zweiten Mahnung nicht beglichen wird, oder spätestens, wenn eine Person zum dritten Mal ohne gültige Fahrkarte erwischt wird. Das heisst auch: Bereits eine unbezahlte Busse kann in Schaffhausen zu einem Strafantrag führen. 2024 betrug die Zahl jener Fahrgäste, die ohne Fahrkarte kontrolliert wurden, 2945, vergangenes Jahr 1995. In beiden Jahren beförderte die VBSH je rund 14 Millionen Fahrgäste.

Basil Weingartner vom Kollektiv Freiheitsfonds spricht mit Blick auf die eingereichten Strafanträge der VBSH von «massiven Zahlen». «Das Beispiel zeigt, wie gering die Hürden sind, bis Transportunternehmen Strafanzeigen einreichen und das nur, weil jemand keine Einzelfahrkarte für ein paar Franken gelöst hat.» In der Praxis würden diese Strafanträge nicht Personen treffen, die Geld sparen wollen. «In solchen Fällen, wo das Geld vorhanden ist, erhalten die Transportunternehmen das Geld über den Betreibungsweg.»

Mit Strafanträgen würden stattdessen Personen bestraft, die keinen festen Wohnsitz haben, verschuldet sind, schlechte Deutschkenntnisse haben oder mit administrativen Aufgaben überfordert sind. Deswegen sei das Kollektiv auch dagegen, Ersatzfreiheitsstrafen in gemeinnützige Arbeit umzuwandeln, wie es etwa Jurist Benjamin Brägger jüngst im Beobachter vorschlug. «Auch diese Lösung sanktioniert die Leute dafür, dass sie kein Geld haben. Und die Probleme, die bei einem Gefängnisaufenthalt entstehen, bleiben: Wenn jemand drei Wochen gemeinnützige Arbeit leisten muss, droht etwa der Verlust der Arbeitsstelle oder er oder sie kann nicht für die Angehörigen sorgen.»

Eine andere Lösung diskutierte kürzlich der Nationalrat. Eine SP-Nationalrätin forderte, dass kleinere Bussen und Geldstrafen bis 5000 Franken nicht länger zu Ersatzfreiheitsstrafen führen können. Der Bundesrat zeigte Sympathien, aber der Nationalrat lehnte die Motion diesen März ab (Linda De Ventura stimmte dafür, Thomas Hurter dagegen).

Da half es auch nicht, dass Justizminister Beat Jans darauf hinwies, Ersatzfreiheitsstrafen belasteten «die Justizvollzugsanstalten somit sehr stark und generieren für die Kantone hohe Kosten.» Was er damit meint: Während man mit einem Tag Ersatzfreiheitsstrafe 100 Franken absitzt, kostet das den Staat mindestens 200 Franken.

Wir schenken Dir diesen Artikel. Aber Journalismus kostet.
Hier geht es zum Probe-Abo: drei Monate lang jede Woche eine AZ für nur 48 Franken.

The post Nächster Halt: Gefängnis appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Die saure Beere https://www.shaz.ch/2026/04/16/die-saure-beere/ Thu, 16 Apr 2026 09:48:04 +0000 https://www.shaz.ch/?p=10798 Ein Schaffhauser Weinproduzent geht mit verbotenen Mitteln gegen eine invasive Fliege vor und wird gebüsst. Reiner Egoismus oder Verzweiflungstat? In einer Schaffhauser Rebbaugemeinde macht seit einiger Zeit eine merkwürdige Anekdote die Runde: Ein bekannter Weinproduzent soll beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln die Bio-Reben seines Nachbarn mitgespritzt haben. Auf Nachfrage der AZ bestätigt der betroffene Biowinzer die […]

The post Die saure Beere appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Ein Schaffhauser Weinproduzent geht mit verbotenen Mitteln gegen eine invasive Fliege vor und wird gebüsst. Reiner Egoismus oder Verzweiflungstat?

In einer Schaffhauser Rebbaugemeinde macht seit einiger Zeit eine merkwürdige Anekdote die Runde: Ein bekannter Weinproduzent soll beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln die Bio-Reben seines Nachbarn mitgespritzt haben. Auf Nachfrage der AZ bestätigt der betroffene Biowinzer die Geschichte. Er habe vor zweieinhalb Jahren zufällig beobachtet, wie der Nachbar seinen Traktor durch den Weinberg lenkte. Die angehängte Pflanzenschutzspritze habe die fast reifen Trauben rechts und links grosszügig mit Spritzmittel eingenebelt. Nur: Der Winzer fuhr in der falschen Gasse – nämlich in den angrenzenden Reben des Biowinzers. Natürlich habe er ihn zur Rede gestellt und wissen wollen, was er da tue. Und vor allem: Was bitteschön er hier spritze. Denn die Parzelle ist biozertifiziert und unterliegt den strengen Vorschriften des Bio-Suisse-Labels. 

Der Weinproduzent habe sich ahnungslos gegeben. Es sei ein Versehen gewesen, er habe sich in der Zeile geirrt. Das verwendete Mittel sei aber biologisch, versicherte er dem Biowinzer. Dieser glaubte ihm kein Wort und informierte noch am gleichen Tag die Kontrollstelle von Bio Suisse über die Situation. Seine Sorge: Sollten seine Trauben tatsächlich ein nicht zulässiges Pflanzenschutzmittel abbekommen haben, hätte ihn das die Zulassung kosten können. Und wie hätte er den angeblichen Lapsus des Nachbarn beweisen können? Hätte er ihn nicht auf frischer Tat ertappt, wäre er bei einer allfälligen Kontrolle so oder so in Erklärungsnot geraten. 

Dass der Biowinzer richtig gehandelt hatte, zeigte die Analyse des betroffenen Laubs und der Trauben: Auf den Proben fanden sich Rückstände eines Fungizids, das gegen Botrytis (Graufäule) eingesetzt wird, aber eben nur im konventionellen Weinbau erlaubt ist. Problematischer als das Spritzmittel selbst war aber die Applikation kurz vor der Ernte: Es ist mehr als fraglich, ob der Schaffhauser Weinbauproduzent die Absetzfrist eingehalten hatte. 

Zur Sicherheit gab der Biowinzer die Trauben der betroffenen Zeilen als konventionell angebautes Lesegut ab. Das Biolabel hätte dem Winzer ein paar Franken mehr eingebracht. Er habe aber von einer Strafanzeige abgesehen und dem Weinproduzenten die Mindereinnahmen und die Analysekosten in Rechnung gestellt. Dieser habe bezahlt – über seine Versicherung. Einsicht habe er keine gezeigt, so der Biowinzer.  

Man könnte nun die Stirn runzeln und den Vorfall abhaken, wäre es bei dem einen Mal geblieben. 

Es blieb aber nicht bei diesem einen Fall: Ende 2025 wurde der Weinproduzent für den Einsatz eines nicht zugelassenen Pflanzenschutzmittels gebüsst. Die AZ hat Einsicht in den Strafbefehl genommen. Wie daraus hervorgeht, wurden bei einer Kontrolle durch das Landwirtschaftsamt ebenfalls im Jahr 2023 auf einer seiner Rebparzellen Rückstände eines im Rebbau verbotenen Insektizids gefunden. 

Dieses Mal ging es nicht nur um eine verspätete Applikation. Das Gift mit dem Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin ist ein hochwirksames synthetisches Nervengift, das Insekten tötet. Den Weinproduzenten kostete die Anwendung des verbotenen Insektizids 500 Franken Busse und 300 Franken Staatsgebühr.

Der wirkungsvolle Name des eingesetzten Mittels: Karate Zeon. Im Rebbau wurde es früher vor allem gegen die invasive Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) eingesetzt. 

Gefürchtete Fliege

Die Kirschessigfliege. Seit sie 2011 zum ersten Mal in der Schweiz nachgewiesen wurde, versucht man, ihre schnelle Verbreitung einzudämmen. Ihr Name fliegt ihr dabei voraus: Was sie ansteuert, wird zu Essig. Das Weibchen der kleinen Fruchtfliege mit den typischen schwarzen Punkten auf den Flügeln sticht die reifen Traubenbeeren an und legt ihre Eier hinein. Die befallenen Trauben beginnen zu gären und müssen aussortiert werden. Sie würden das gesunde Lesegut verderben. 

In der Schweiz ist das Spritzmittel, das die Fliegen, aber eben auch alles andere in ihrer Nähe zuverlässig tötet, seit einigen Jahren verboten. Das ist es auch in den umliegenden Ländern, diese gehen gegen die Kirschessigfliege aber effektiver vor. In Deutschland beispielsweise ist ein Verfahren erlaubt, bei dem ein biologisches Insektizid zusammen mit einem Haftmittel angewendet wird, wodurch das Gift um bis zu 90 Prozent reduziert wird. In anderen Kulturen greifen sogenannte Notzulassungen, will heissen, Ausnahmen. 

«Es gibt hier keine Ausnahmenregelungen und keine Kulanz.»

Hannes Schärer,
Leiter Landwirtschaftsamt

In der Schweiz hingegen ist die Fliege ein ungelöstes Problem. Das deutet auch Hansueli Pfenninger, Leiter der kantonalen Fachstelle Rebbau, an. In seinem Bericht über das Schaffhauser Rebjahr 2025 weist er darauf hin, dass mit der Reduktion von Pflanzenschutzmitteln und weniger Behandlungen, «ganz nach den Direktiven vom Bund», unter Kontrolle gedachte Krankheiten wieder in den Fokus drängen.

Sind die Pflanzenschutzauflagen in der Schweiz zu streng? Wir fragen beim Landwirtschaftsamt nach. In den vergangenen Jahren seien viele Mittel aus dem Verkehr gezogen worden – mit guter Begründung, sagt Amtsleiter Hannes Schärer: «Im Gegenzug werden aber neue Pflanzenschutzmittel teilweise nur sehr zögerlich bewilligt.» Dies könne Probleme zum Beispiel mit Resistenzen verursachen. «Als Kanton haben wir in dieser Beziehung keinen Handlungsspielraum.» Die Beantragungen von Notzulassung hätten wenig Aussichten auf Genehmigung. 

Nehmen einige Winzer die Sache nun also selbst in die Hand? Der gebüsste Weinproduzent will gegenüber der AZ zu seinen Motiven keine Stellung nehmen. Dass es ihm darum ging, keine sauren Beeren verlesen zu müssen, scheint jedenfalls auf der Hand zu liegen.

Solche Verstösse seien sehr selten, betont Hannes Schärer: «Grundsätzlich gibt es im Kanton Schaffhausen kaum Verstösse gegen die Pflanzenschutzmittelverordnung. Die allermeisten Traubenproduzenten halten sich an die Vorschriften.» Da habe man einen sehr guten Überblick. Die Kontrollen werden ausserdem risikobasiert durchgeführt. Das bedeutet, dass Betriebe, die in der Vergangenheit bereits einen Verstoss hatten, wieder kontrolliert werden. Man nehme dies sehr ernst: «Es gibt hier keine Ausnahmeregelungen und keine Kulanz.»

Wir schenken Dir diesen Artikel. Aber Journalismus kostet.
Hier geht es zum Probe-Abo: drei Monate lang jede Woche eine AZ für nur 48 Franken.

Ausserdem werden die Weine standardmässig auf allfällige Rückstände geprüft: «Durch den Gärprozess werden die heute eingesetzten Mittel schnell abgebaut und in den Weinen konnten bisher keine Spritzmittel oder deren Abbauprodukte festgestellt werden.» Würden Rückstände festgestellt, würden die betroffenen Weine aus dem Verkehr gezogen: «Die Labors arbeiten da sehr genau.» 

Der Fall wirft weitere Fragen auf. Der Schweizer Weinanbau befindet sich in einer Krise. Der Rückgang des Weinkonsums, klimatische Veränderungen, invasive Schädlinge – die Liste der Gründe ist lang, die Entwicklung ungewiss. In Schaffhausen ist gerade die Teilrevision des Landwirtschaftsgesetz in Kraft getreten, um aktuellen und künftigen Problemen im Rebbau besser begegnen zu können (siehe Kasten). 

Zurück zum vom Pestizid gestreiften Biowinzer. Die Umstellung seines Betriebes auf biologische Landwirtschaft war eine Massnahme, um den sich ändernden Vorzeichen zu begegnen. Am meisten ärgern ihn Anekdoten wie jene mit dem bekannten Weinproduzenten. Das Handeln solcher Leute könne die ganze Branche in Verruf bringen. Ausserdem könnten dadurch noch mehr Auflagen angeordnet werden – so, dass diejenigen, die korrekt arbeiten, am Ende die Verlierer seien.

Rebbau: Mehr Kompetenzen für den Kanton
Seit 1. April 2026 ist die Teilrevision des Landwirtschaftsgesetzes in Kraft. Welche Mittel eingesetzt werden dürfen, bestimmt nach wie vor der Bund, der Kanton ist aber neu zuständig für flächendeckende Massnahmen «im Fall einer akuten epidemischen Bedrohung der Rebbauwirtschaft». Bisher lag die Kompetenz dafür bei den örtlichen Rebbaugenossenschaften und den Gemeinden. Ein aktuelles Beispiel einer solchen Massnahme ist die Verwirrungstechnik zur Bekämpfung des Traubenwicklers, dessen Raupen die Reben schädigen. Ähnliche obligatorische Pflanzenschutzmassnahmen würden greifen, falls sich der invasive Japankäfer trotz aktueller Eindämmungsstrategien weiter ausbreiten würde. Grundsätzlich liegt der Einsatz von Pflanzenschutzmittel aber immer noch im Ermessen des jeweiligen Winzers – im Rahmen der Pflanzenschutzverordnung.

The post Die saure Beere appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Wo sich Fuchs und Hase Gutenacht sagen https://www.shaz.ch/2026/04/07/wo-sich-fuchs-und-hase-gutenacht-sagen/ Tue, 07 Apr 2026 07:49:20 +0000 https://www.shaz.ch/?p=10774 Die angestaubte Naturausstellung im Allerheiligen ist passé. Wird die neue legendär oder langweilig? Eine erste Feldbegehung. Meine Erinnerungen an die Naturausstellung im Allerheiligen sind nicht sehr eindrucksvoll. Schwerfällig streckten sich Museumsnachmittage ihrem Ende entgegen, mit der Naturabteilung zuoberst im stickigen Estrich als letzte Station. Die modellhaften Lehren an den Wänden zu tektonischen Verschiebungen, Gesteinsschichten und […]

The post Wo sich Fuchs und Hase Gutenacht sagen appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Die angestaubte Naturausstellung im Allerheiligen ist passé. Wird die neue legendär oder langweilig? Eine erste Feldbegehung.

Meine Erinnerungen an die Naturausstellung im Allerheiligen sind nicht sehr eindrucksvoll. Schwerfällig streckten sich Museumsnachmittage ihrem Ende entgegen, mit der Naturabteilung zuoberst im stickigen Estrich als letzte Station. Die modellhaften Lehren an den Wänden zu tektonischen Verschiebungen, Gesteinsschichten und Zellteilung in ihrer 80er-Jahre-Ästhetik erinnerten an ein Sek-Lehrbuch. Der träge Blick schweifte darüber hinweg, wir Kinder schlüpften stattdessen weiter zu den paar ausgestopften Tieren in den Vitrinen.

Das Highlight: das Rheinufer-Diorama ganz zuhinterst im Raum, wo es Schwan und Biber zu entdecken gibt – wenn natürlich auch nicht so legendär, wie das berühmte Kesslerloch-Diorama mit den Steinzeitmenschen in der Archäologieausstellung.

Die Naturausstellung des damaligen Kurators Rudolf Schlatter, die 1985 und 1988 in zwei Etappen entstand, war in diesem edukativen Duktus auf der Höhe ihrer Zeit. 1991 wurde sie sogar mit der Sonderauszeichnung des «European Museum of the Year Award» ausgezeichnet. Dann liess man sie über 40 Jahre dort oben verharren, nun wird sie abgebaut. 2029 soll die neue Dauerausstellung eröffnet werden.

Nur: Ist dort oben im Dachstock des Allerheiligen überhaupt etwas möglich, das nicht nach drögen Hausaufgaben an einem Sonntagnachmittag riecht?

In Kästen verborgen

Theoretisch, ja. Die aktuelle Ausstellung zeigt gerade mal 300 Objekte – im Haus lagern aber über 150 000 naturhistorische Schätze in verschlossenen Kästen. Das zeigt ein seltener Einblick an einem der letzten Samstagnachmittage in der Naturausstellung. Kurator Urs Weibel und Michele Büttner bringen die Handvoll Besucher:innen, die zur Führung erschienen sind, ins Depot im Dachgeschoss.

Büttner schlägt ein wertvolles 200-jähriges Herbarium mit gepressten, sorgfältig beschrifteten Pflanzen auf. Es ist das massgebende Grundlagenwerk der langen Tradition Schaffhauser Botanik. Der Apotheker Johann Conrad Laffon sammelte von jeder Pflanzenart im Kanton Schaffhausen ein Exemplar. Knapp 1000 Stück – 154 davon sind heute im Kanton ausgestorben. Solche Herbarien gerieten lange Zeit in Vergessenheit, in den 90ern wurden sie teils eingestampft und nur ihre Schriftbelege aufbewahrt.

Heute haben die gepressten Pflanzen eine neue Bedeutung, wie Büttner erklärt: Anhand physischer Proben kann die DNA der Pflanzen und ihre Evolution genetisch erforscht werden.

Die 50 000 botanischen Belege des Museums zu Allerheiligen – sie machen etwa ein Drittel der naturhistorischen Sammlung aus – sind also naturwissenschaftlich genauso wertvoll wie kulturgeschichtlich.

Gleiches gilt auch für den zoologischen Bestand, ein weiteres Drittel der Sammlung.

Urs Weibel zeigt Glaskästen mit aufgespiessten, sorgfältigst klassifizierten und beschrifteten Ameisen: «Jede ist eine Mona Lisa. Jede ist ein Unikat», so Urs Weibel. Mit unglaublicher Akribie, die heute als Schrulligkeit anmutet, dokumentierten die damaligen Schaffhauser Sammler den regionalen Artenreichtum – und hinterliessen damit ein Stück ihrer Lebensgeschichte. Daneben findet man im Depot spektakuläre Objekte wie die Millionen von Jahren alten Rhinozeroszähne aus dem deutschen Chläggi. Oder natürlich die fossilen Knochen des Schaffhauser Dinos Schleitheimia Schutzi, benannt nach seinem Finder Emil Schutz.

Auch die geologische Sammlung, die den letzten Drittel der 150 000 naturhistorischen Objekte stellt, ist ein riesiger Fundus, der in langen Reihen von Kästen vor sich hin dämmert.

Ein schlummernder Schatz also. Eigentlich, denkt man als Besucherin, muss man doch diesen ganzen, wundersamen Reichtum in der Dauerausstellung zeigen.

Beflügelte Fantasie

Tatsächlich könnte das auch Realität werden – jedenfalls mehr oder weniger. Die neue Naturausstellung, die 2029 eröffnen soll, wird Urs Weibel verantworten, langjähriger Kurator der Naturabteilung. Während er durch die bisherige Dauerausstellung führt, sagt er, diese sei mit enorm viel Fachwissen gestaltet geworden. «Man hat das Museum damals als Bildungsort verstanden, die Ausstellung ist älter als das Internet. Sie wollte primär Wissen vermitteln.»

Das private Sammlertum hingegen sei damals in den 80er-Jahren eher verpönt gewesen. Man habe infrage gestellt, ob tatsächlich jedes geschützte Pflänzchen ausgerissen, jeder seltene Schmetterling mit dem Netz eingefangen werden müsse. Deshalb seien die Schaffhauser Sammler im Ausstellungsraum kaum präsent.

Und heute ist das anders?, wollen wir nach der Führung von Urs Weibel wissen. «Natürlich gilt der Naturschutzgedanke immer noch. Aber die damaligen Sammlungen sind die Basis des Wissens, das wir haben», so Urs Weibel. «Wir wollen die Entstehung der Sammlungen thematisieren – sie aber auch zeigen und erlebbar machen.» Sein eigenes Motto laute «Steingeschichten statt Gesteinsschichten», so der Kurator. Es gehe ihm darum, Geschichten zu erzählen und die Entdeckerfreude und Neugier zu wecken.

Wird sich der Naturkurator also mit der neuen Ausstellung austoben? Denn so viel ist klar: Man könnte Imposantes zeigen. Zum Beispiel eine hohe Wand aus Glaskästen, welche mit der unglaublichen Vielfalt an aufgespiessten Insekten beeindruckt. – «Oder», sinniert Urs Weibel seinerseits, «einen gläsernen Boden, unter dem sich Schaffhauser Gesteine, Mineralien und Fossilien erstrecken.» Ja, sagt er, solche Dinge seien vorstellbar.

Gestutzte Flügel

Die Frage ist eher, ob sich Weibel überhaupt wird austoben können. Denn der Fantasie und Freiheit des Kurators sind Schranken gesetzt. Das zeigten die Diskussionen ums Museum der letzten Jahre. Ursprünglich war angedacht, dass die Naturabteilung mehr Platz innerhalb des Hauses bekommen soll. Diese Pläne wurden mit der gescheiterten Museumsstrategie 2025 aber auf Eis gelegt.

Nun muss die Natur vorerst weiterhin mit dem abgelegenen, gotischen Dachstuhl vorliebnehmen, wenn er denn saniert ist. Viel mehr Platz als jetzt wird die Dauerausstellung somit nicht haben, sondern lediglich einen Raum mehr. Die Stadt kommunizierte 2023, als sie die Pläne präsentierte, die neue Naturausstellung soll flexibel gestaltet werden. So, dass sie in Zukunft allenfalls auch in anderen Räumen präsentiert und in Etappen erweitert werden kann. Dies wohl für den Fall, sollte dereinst wirklich eine zukunftstaugliche Vision für das Museum vorliegen.

Auf lange Sicht ist also noch vieles unklar. Das klingt nicht gerade nach traumhaften Voraussetzungen für einen Ausstellungsmacher. Urs Weibel lässt sich davon nicht entmutigen: «Zurzeit ist dies die einzige Option. Wir haben den Platz, den wir haben. Ich sehe die Gelegenheit als Chance. Die Besucher haben es verdient, dass man ihnen zeitnah eine neue Ausstellung bietet.»

Genau wisse er noch nicht, was er alles umsetzen könne. Grundsätzlich wolle er die geplante Dauerausstellung von den Schaffhauser Landschaftsräumen her denken, also etwa vom Randen, Hegau oder Chläggi. Dabei, so lässt Weibel durchblicken, darf man sich wahrscheinlich auch auf mindestens ein – bestenfalls legendäres – Diorama freuen.

Wir schenken Dir diesen Artikel. Aber Journalismus kostet.
Hier geht es zum Probe-Abo: drei Monate lang jede Woche eine AZ für nur 48 Franken.

The post Wo sich Fuchs und Hase Gutenacht sagen appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Mein Revier, dein Revier https://www.shaz.ch/2026/04/05/mein-revier-dein-revier/ Sun, 05 Apr 2026 07:00:00 +0000 https://www.shaz.ch/?p=10763 In Büttenhardt ist ein Revierkampf neu entbrannt, der 25 Jahre schwelte. AlsSieger geht vor allem einer hervor: der neue Jagdobmann – und Gemeindepräsident. Am Waldrand, 20 Minuten Marschweg vom Dorfkern von Büttenhardt entfernt, thront die alte Jagdhütte der Gemeinde. Daneben liegt eine ausgebrannte Feuerstelle. Die Dachziegel sind mit Moos bedeckt, die Holzbretter vom Regen verwittert. […]

The post Mein Revier, dein Revier appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
In Büttenhardt ist ein Revierkampf neu entbrannt, der 25 Jahre schwelte. Als
Sieger geht vor allem einer hervor: der neue Jagdobmann – und Gemeindepräsident.

Am Waldrand, 20 Minuten Marschweg vom Dorfkern von Büttenhardt entfernt, thront die alte Jagdhütte der Gemeinde. Daneben liegt eine ausgebrannte Feuerstelle. Die Dachziegel sind mit Moos bedeckt, die Holzbretter vom Regen verwittert.

In diese Jagdhütte hat Martin Lehmann «sein ganzes Herzblut» gesteckt, wie er sagt. Das Häuschen hätten er und seine Kollegen selbst in Fronarbeit erbaut. Die fast 70 errichteten Hochsitze, die überall im Jagdrevier der Gemeinde verstreut waren, hat Lehmann hingegen kurzerhand abgerissen.

«Das hat er gemacht, um mir eins auszuwischen», sagt sein Kontrahent Alex Schlatter, der heute vor der Jagdhütte steht. Er deutet zum Hauseingang. Lehmann habe auch hier einiges abgeräumt, das Brennholz, sogar die Fensterläden wurden entfernt – auf Letzteres deuten nur noch helle Holzflecken an der Fassade hin.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten müssen der bisherige Jagdaufseher Martin Lehmann und seine Getreuen den Hut nehmen. Die Pacht des Jagdgebiets Büttenhardt geht seit 2025 an eine andere Gruppe. Dazu gehört Alex Schlatter – der seit fünf Jahren auch die Gemeinde Büttenhardt regiert. Der Gemeindepräsident geht damit als Gewinner aus einem Konflikt hervor, der über 25 Jahre schwelte und zweimal bis auf den Verhandlungstisch des Regierungsrats gelangte.

Der Prolog

Alles begann im Januar 2001: Nach nur einem halben Jahr im Amt trat das Büttenhardter Gemeinderatsmitglied Hans Peyer empört zurück. Die kurze Zusammenarbeit habe «keinesfalls seinen Vorstellungen entsprochen», tat er damals kund, er nehme an keiner weiteren Gemeinderatssitzung teil.

Was dabei eine Rolle gespielt haben dürfte: Seine Gemeinderatskollegen hatten ihn damals als Jagdaufseher entmachtet und mit ihm seine damalige Jagdgesellschaft. Mit im Boot waren auch Bernhard Bürgin sowie Alex Schlatter, wobei Letzterer gerade erst auf die neue Saison hatte einsteigen wollen. Dazu kam es nicht.

«Davon kann man halten, was man will.»

Martin Lehmann, Jäger und ehemaliger Jagdaufseher Büttenhardt

Auslöser für die damalige Neuvergabe in Büttenhardt waren Querelen zwischen den Jägern und den Landwirten gewesen. Denn diese arbeiten traditionellerweise Seite an Seite. Besonders die heimischen Wildschweine, im Jagdjargon Schwarzwild genannt, sorgen bei den Landwirten für Ertrags- und Landschäden – und werden deshalb von den Schaffhauser Jäger:innen erlegt.

Damals, vor knapp 25 Jahren, waren die Bauern und der Gemeinderat unzufrieden mit der Jagdgesellschaft, weil zu wenig Wildschweine erlegt worden seien. Die Schäden am Land seien zwar hinterher erstattet, aber nicht verhindert worden. Deshalb wurde die Pacht an eine neue Jagdgesellschaft vergeben.

«Die Bauern und Teile der Gemeinde kamen damals auf mich zu», erinnert sich Jäger Martin Lehmann zurück. «Sie wollten einen Wechsel.» Der Thaynger bewarb sich als neuer Pächter des Jagdgebiets in Büttenhardt – von da an war es das Revier seiner Jagdgesellschaft.

Auch bei der nächsten Vergabe 2009 erteilte man der Gesellschaft rund um Obmann Lehmann wieder das Jagdrecht. Bei der darauffolgenden Vergabe acht Jahre später indessen lag neben Lehmanns Bewerbung noch eine andere auf dem Tisch der Gemeinde: Dieses Mal bewarb sich neben Lehmann auch Alex Schlatter – der bereits 2001 gerne in dem Gebiet gejagt hätte, letztlich aber nicht zum Zug kam.

Mittlerweile war Schlatter Teil des Gemeinderats. Die Gemeinde entschied sich aber erneut für den bisherigen Jäger Lehmann. Seit 2020 ist Alex Schlatter nun Gemeindepräsident. Als es 2025 wieder Zeit wurde, die Pacht neu zu vergeben, war es schliesslich der bisherige Obmann und Jagdaufseher Lehmann, der verjagt wurde; der Gemeinderat entschied sich für die Jagdgesellschaft ihres
Gemeindepräsidenten.

Sagt der eine…

Wer sich dieser Tage im Dorf umhört, bekommt zwei verschiedene Seiten der Geschichte erzählt: Jene von Jäger Lehmann und jene von Jäger Schlatter.

Lehmann erzählt, die Bauern seien mit seiner Jagdgesellschaft immer sehr zufrieden gewesen. Trotzdem habe man 2025 eine neue gewählt. Ein Entscheid, den Lehmann nicht auf sich sitzen lassen wollte: Er legte Rekurs beim Regierungsrat ein – erfolglos. «Der Regierungsrat hat lediglich die Vergabe angeschaut, nicht aber den jahrelangen Kontext, der hinter dem Thema steht», sagt er.

Doch das ist legal: Rechtlich gesehen hat die Gemeinde, wenn sich mehrere Pächter für das Revier bewerben, freie Hand. Zumindest dann, wenn zwei gleich hohe Angebote vorgelegt werden.

Und mehr noch: Die Gemeinde müsse nicht jene Bewerbergruppe auswählen, die «am meisten positive Kriterien aufweist», so steht es im Rekursentscheid, welcher der AZ vorliegt. Beide Gruppen seien grundsätzlich als Pächterschaft geeignet.

«Für viele ist das unverständlich», sagt Lehmann. Er habe mit einigen aus dem Dorf gesprochen. «Ein paar Kollegen meinten auch, ich solle den Entscheid doch nochmals weiterziehen.» Dafür habe er keine Energie – wenn ja, müsste man bereit sein, bis ans Bundesgericht in Lausanne zu gehen. Und dass sein Nachfolger der Gemeindepräsident persönlich ist? «Davon kann man halten, was man will», gibt Lehmann knapp an.

Dass zumindest ein Teil der Bauern hinter Lehmann steht, wurde mehrfach sichtbar: Bereits an der Gemeindeversammlung 2024 meldete sich Thomas Buchmann, Präsident der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Büttenhardt, vorausschauend zu Wort: Die Büttenhardter Landwirte seien mit der jetzigen Jägerschaft sehr zufrieden und möchten dies auch ab 2025 so beibehalten, sagte er damals.

Im darauffolgenden Sommer, nachdem der Entscheid für eine neue Pächterschaft bekannt wurde, äusserte sich Landwirt Buchmann erneut an der Gemeindeversammlung. Er fragte, weshalb die Jagdpacht nun anders vergeben werde, «obwohl man mit dem bisherigen Jagdpächter zufrieden war». Die Antwort der Gemeinde: Es sei mehrfach der Wunsch eingegangen, nach 24 Jahren die Jagdpacht anderweitig zu vergeben. Auf Anfrage der AZ wollte sich Buchmann nicht näher zum Geschehen äussern – er habe seine Meinung bereits kundgetan.

Auch andernorts äusserte sich der Unmut über die neue Pachtvergabe: an der diesjährigen Kinderfasnacht des Dorfs Anfang März. Unter den Verkleideten und Festwagen hat sich eine Anspielung auf den Streit eingeschlichen: ein fahrender Jagdhochsitz, auf dem mit Sprayfarbe geschrieben steht: «Super-Jagt 2001 – 2025. Was wird kommen?» und auf der Rückseite: «dJagd isch verbi.»

Gebaut hat den Fasnachtswagen Robert Brütsch, Büttenhardter Landwirt. Er kann den Entscheid der Gemeinde nicht nachvollziehen. Mit dem Festwagen wollte er das deutlich machen und der Gemeinde ein wenig «ans Bein pinkeln», erzählt er: Gemeindepräsident Alex Schlatter habe sich die Jagdpacht unter
den Nagel gerissen.

«Schon an der Gemeindeversammlung 2024 waren die Bauern vor Ort, Thomas Buchmann betonte sogar, dass man zufrieden sei und die Pacht nicht anders vergeben sollte. Aber es hat nichts genützt.» Unverständnis habe sich unter den Bauern breitgemacht. Aber keine Überraschung: «Man weiss, dass Alex schon vor einigen Jahren versucht hat, die Pacht zu bekommen.

«Es ging rein um Emotionen, teils um Neid, teils um Missgunst.»

Alex Schlatter, Gemeindepräsident Büttenhardt

Und das, obwohl er schon bei jener in Merishausen involviert ist.» Grundsätzlich ist es nicht verboten, als Jäger in zwei Jagdgesellschaften unterschiedlicher Gemeinden aktiv zu sein. «Aber die ganze Geschichte hinterlässt einen fahlen Beigeschmack», findet Bauer Brütsch.

2001 war noch Brütschs Vater als Landwirt aktiv, erzählt er. «Die Bauern hielten die Situation für eine Katastrophe, man hat gar nichts mehr gemacht.» Durch die sich ausbreitenden Wildschweine habe es nur Schäden gegeben. «Die haben die Jäger zwar erstattet, aber das Problem blieb.» Nun sei mit Schlatter wieder der ehemalige Jäger Bürgin ins Boot geholt worden. «Wir haben also quasi einen Rückschritt gemacht.»

Sagt der andere…

Treffen mit Alex Schlatter in der Gemeindekanzlei Büttenhardt. Dieser zeichnet ein anderes Bild: Das Thema sei emotional, ja. Auch für ihn. Doch die Begründung der Landwirte, dass vor 25 Jahren zu wenig gejagt worden sei und dadurch Schäden entstanden, sei nichts mehr als ein Vorwand gewesen.

Es sei um etwas ganz anderes gegangen: «Jemand wollte das alte Jagdhaus haben, das Bernhard Bürgin geerbt hatte. Er hat deshalb die Landwirte gegen die Jäger aufgewiegelt.» Gemeint ist damit nicht die Büttenhardter Jagdhütte am Waldrand des Dorfs, sondern ein anderes Haus, auf das Schlatter nicht näher eingeht.

Sowieso aber macht Schlatter geltend: Er sei damals noch nicht Teil der Jagdgesellschaft gewesen. «Ich hätte für die folgende Periode dazustossen sollen.» Die Wildschäden habe Bürgin den Bauern entschädigt. Und: Die neuen Jäger hätten genauso viel – oder wenig – geschossen.

«Es ging rein um Emotionen, teils um Neid, teils um Missgunst.» Schlatter bestätigt, sich bereits für die letzte Jagdperiode ab 2018 beworben zu haben. Und er widerspricht Lehmanns Aussagen: Er kenne durchaus Anwohner, die mit dessen Pächterschaft nicht zufrieden gewesen seien. Es habe über die Jahre hinweg einige Reklamationen gegeben.

«Und Buchmann hat nur für einen Teil der Bauern gesprochen. Nicht für alle.» Während der Abstimmung zur neuen Pachtvergabe sei er in den Ausstand getreten, betont Schlatter. Er habe nie versucht, die restlichen Gemeinderäte in ihrem Entscheid zu beeinflussen.

Das Déjà-vu

Mit der Episode um die Pachtvergabe 2025 schliesst sich der Kreis, der Entscheid ist seit Ende Januar dieses Jahres final. Doch die Geschichte wiederholt sich beinahe eins zu eins:

Bereits 2001 war die geschasste Jagdgesellschaft an den Regierungsrat getreten, um sich gegen die Neuvergabe an Lehmann und seine Jagdkollegen zu wehren. Auch damals erfolglos. Mit den fast identischen Worten, die man auch im jüngsten Entscheid findet, lehnte der Regierungsrat den Rekurs ab.

Sowohl Schlatter als auch Lehmann erinnern sich daran: «Die Regierung hat damals dem Gesetz entsprechend entschieden, so wie sie es heute auch getan hat», gibt Schlatter an. «Es war die gleiche Situation, nur umgekehrt.» Und wie heute auch, hatten sich auch damals mehrere Anwohner:innen Büttenhardts über den Wechsel beschwert.

Im April 2004 schrieb etwa jemand in einem Leserbrief in den Schaffhauser Nachrichten, die Vergabe an die neue Pächterschaft sei eine «schallende, unverdiente Ohrfeige» an die Einwohner. In einem anderen Brief hiess es: «Der Gemeinderat Büttenhardt wäre gut beraten, wenn er seinen Entscheid rückgängig machen würde, damit er sein Gesicht nicht ganz verliert.»

Die Frage des Stolzes

Das Jagdgebiet in Büttenhardt ist weder das flächenmässig grösste des Kantons, noch jenes mit der grössten Artenvielfalt, noch geographisch einzigartig. Darin sind sich alle Beteiligten grundsätzlich einig. Weshalb dann dieser Revierkampf?

Laut Landwirt Robert Brütsch könnte es schlichtweg eine Frage des Stolzes sein. «Ich denke, auch Lehmann durfte stolz auf sein Revier sein und darauf, was er in seiner Zeit geleistet hat.» Nun müsse es wiederum für Schlatter schön sein, sagen zu können, im eigenen Zuhause jagen zu dürfen.

Das räumt Alex Schlatter auch im Gespräch ein: «Jagen ist etwas Emotionales. Das ist einfach so», erzählt er nach dem Treffen in der Gemeindekanzlei, draussen vor der Jadghütte.

«Man geht eine Verbindung mit dem Jagdgebiet ein, mit der Natur, und schöpft ab, was nachwächst.» Die Bestandsregulierung, also das Erlegen der Tiere, mache dabei lediglich 10 Prozent der Pflichten aus, die einer Jagdgesellschaft zukommen.

Mit dem Beschluss des Regierungsrats ist nun, zumindest für die kommenden acht Jahre, der Fall klar: Künftig ist Schlatter der Jagdobmann der Gesellschaft, Jagdaufseher ist Tino Steiner und Pächter ist künftig Bernhard Bürgin.

Natürlich sei er froh über den abgewiesenen Rekurs, sagt Schlatter. Für ihn sei dessen Einreichung aber erwartbar gewesen. «Man gibt dieses Gebiet nicht kampflos ab.»

Wir schenken Dir diesen Artikel. Aber Journalismus kostet.
Hier geht es zum Probe-Abo: drei Monate lang jede Woche eine AZ für nur 48 Franken.

The post Mein Revier, dein Revier appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Die Früchte des Nussbaums https://www.shaz.ch/2026/03/30/die-fruechte-des-nussbaums/ Mon, 30 Mar 2026 08:33:30 +0000 https://www.shaz.ch/?p=10749 Wie geht Kunst im Exil? Adar Tank sagt: Sie will nicht nur kurdische Kunst machen, sondern sie muss. Ein Gespräch über Zugehörigkeit und Repräsentation. Adar Tank Bevor wir beginnen, ist mir wichtig, etwas zu sagen.  AZ Ja? Ich werde in meiner Geschichte oft von Schmerz sprechen. Aber ich möchte diese Geschichte nicht als aussergewöhnlich traurig oder dramatisch […]

The post Die Früchte des Nussbaums appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Wie geht Kunst im Exil? Adar Tank sagt: Sie will nicht nur kurdische Kunst machen, sondern sie muss. Ein Gespräch über Zugehörigkeit und Repräsentation.

Adar Tank Bevor wir beginnen, ist mir wichtig, etwas zu sagen. 

AZJa?

Ich werde in meiner Geschichte oft von Schmerz sprechen. Aber ich möchte diese Geschichte nicht als aussergewöhnlich traurig oder dramatisch verstanden wissen. Sie ist einfach Realität, und zwar nicht nur meine, sondern die von tausenden Kurd:innen. Sie ist eine Geschichte des Widerstandes.

Adar Tank ist Kurdin. 1998 kommt sie im Flüchtlingscamp Makhmour zur Welt. Makhmour entstand zu Beginn der 1990er-Jahre, als rund 17 000 Kurd:innen vor der türkischen Armee in den Nordirak flüchteten.

Adar Tank studiert in der Stadt Erbil Zahnmedizin. 2023 flüchtet sie vor dem Krieg in die Schweiz und erhält die Bewilligung, zu bleiben. Fast von Beginn weg lebt sie in Schaffhausen. Nicht viel später lerne ich sie kennen. Im Januar dieses Jahres sitzen wir in der «Garage» in Schaffhausen zusammen auf der Bühne, um über Verwurzelung und Entwurzelung zu sprechen. 

Seither ist in Kurdistan ein weiterer Krieg ausgebrochen. Erst vergangene Woche ist in der Nähe von Makhmour ein irakischer Stützpunkt mit Kamikaze-Drohnen angegriffen worden. Adar Tank ist Künstlerin, und ich denke wieder öfter an die Gemälde, die ich von ihr kenne: Die Frauenkörper, die sie malt, sind oft von Leid gezeichnet, aber auch von Kraft. Ich möchte verstehen, wie sie im Exil Kunst macht und was dies mit ihrem Selbstverständnis als Kurdin macht. Wir treffen uns Anfang dieser Woche zu Tee und Süssem, zwei Tage nach dem kurdischen Neujahrsfest Newroz, das dieses Jahr unter dem Stern der Freiheit und der Demokratie stand.

Adar, wie bist du ins neue Jahr gestartet?

Was soll ich sagen: Es ist immer noch Krieg. Schon als ich ein kleines Kind war, habe ich immer wieder gehört, irgendwann werde Frieden sein. Die Kurd:innen werden frei sein. Doch derartige Versuche sind – wie jüngst in der Türkei – bis anhin gescheitert. Darum habe ich grosse Zweifel an einem Frieden. Und trotz alldem bin ich besser in dieses Jahr gestartet als in die anderen, die ich bisher in der Schweiz verbracht habe. Ich kann von mir sagen: Ich existiere. Ich kenne meinen Weg besser, habe Freunde und eine gute Umgebung. Und ich habe Hoffnung, dass ich dieses Jahr das Zahnmedizinstudium wieder aufnehmen kann.

Du hast dafür in den vergangenen Wochen die C1-Prüfungen in Deutsch abgelegt.

Genau. Ich hoffe, dass es das letzte Mal ist, dass ich eine Sprache lerne.

Wie meinst du das?

Sprache war stets ein Trauma für mich. In ­Makhmour sprechen wir Kurdisch Kurmanci. Ich hatte bis zur Volljährigkeit keinen Kontakt zu Menschen ausserhalb Makhmour, wir sind völlig isoliert aufgewachsen. In Erbil kam darum Kurdisch Sorani – und Arabisch – dazu. Und dann an der Universität auch noch Englisch. Ich kann dir heute nicht mehr sagen, wie ich schon im ersten Jahr die Prüfungen bestanden habe, ich habe nur Bahnhof verstanden. Wohl waren es Glück und die hohen Erwartungen, die ich an mich selbst hatte. Und jetzt bin ich Flüchtling und lerne schon wieder eine neue Sprache.

Du lebst mit deinem Bruder in Schaffhausen. Welche Sprache sprecht ihr miteinander?

Vor allem Kurdisch. Aber ich merke, dass mir manches heute auf Deutsch leichter fällt. Manchmal macht mich das traurig: der Gedanke, dass ich meine Muttersprache vergessen könnte. Und dass mein Nachwuchs sie nicht kennt, wenn ich in der Schweiz bleiben sollte.

Willst du denn in der Schweiz bleiben?

Die Schweiz war nichts, das ich mir ausgesucht hätte. Sie war ein Muss, keine Option. Ich will das Leben hier nicht schlecht machen, ich habe ja alles, und ich will mich in der Schweiz verwurzeln. Aber ich bevorzuge mein Leben in Makhmour. Die Kurd:innen haben dort mitten im Nichts Leben erschaffen, und dieses Leben war bedeutungsvoll für mich. Gleichzeitig habe ich Angst davor, je dorthin zurückzukehren. Was, wenn ich mich nicht mehr zugehörig fühle? Was passiert dann?

Heimat muss ein kompliziertes Wort für dich sein.

Ich würde dazu gern eine Geschichte erzählen.

Sicher.

Sie stammt von einem Kämpfer der PKK, der uns Kinder in Makhmour in Selbstverteidigung unterrichte. Er erzählte, wie er sich während einer militärischen Aktion verirrt hatte und seine Kollegen nicht wiederfand. Die Region war gefährlich, darum versteckte er sich im Stamm eines hohlen Baumes. Dort blieb er lange Zeit, tagelang. Er hatte weder zu essen noch zu trinken, so hatte er eines Tages Halluzinationen. Eine dieser Halluzinationen war ein grosser Nussbaum, der Früchte trug, die der Kämpfer früher einmal gesammelt hatte. Doch er war sich nicht sicher, ob der Baum wirklich real war, und so sagte er sich: Ich bleibe im Versteck, damit ich nicht enttäuscht werde. Wäre er nach draussen gegangen und hätte dort keinen Nussbaum vorgefunden, hätte er alle Hoffnung verloren. Er blieb, bis Kollegen ihn irgendwann fanden. Für mich ist Heimat wie dieser Nussbaum: Sie ist eine Hoffnung. Ich bin nicht verloren, sondern einfach weit weg zuhause. Wenn ich aber dorthin zurückgehen und mich fremd fühlen würde, wüsste ich nicht, wohin ich noch gehörte.

Du bist nun seit drei Jahren in der Schweiz. Was spendet dir in Schaffhausen ein Gefühl der Zugehörigkeit?

Der Rhein. Ich gehe fast jeden Tag an den Rhein und beobachte die Bewegung des Wassers. Ich fühle, dass es mich anzieht, mich zu sich ruft, ganz besonders wenn ich traurig bin. Vielleicht schwimme ich diesen Sommer das erste Mal im Rhein. Manchmal fahre ich Kanu – ich wusste nicht, dass ich Wassersport toll finde, bevor ich in der Schweiz war!

In Makhmour und Erbil gibt es keine Gewässer, gell?

Nein, das ist alles Wüste. Und diese Wüste ist mein Zuhause, ich finde sie so schön: den freien Horizont zu sehen, die Verbindung zwischen Himmel und Erde, wie die Sonne untergeht.

Die Heimat Wüste, aber auch ein bisschen der Rhein?

Vielleicht. Es gibt eine Redewendung bei uns: Nass zu sein bedeutet Freude.

Foto: Robin Kohler

Hier in Schaffhausen kennt man vor allem deine Kunst. In deinen Gemälden ist der weibliche Körper ein wichtiges Element. In der Museumsnacht im Allerheiligen vergangenen Herbst zum Beispiel hast du ein Bild gemalt, auf dem eine Frau keinen Kopf hat – stattdessen spriessen Blumen aus ihrem Hals. Woher kommt dieser Schwerpunkt?

Eines der Fächer, das ich an der Schule hatte, heisst Jineologie. Jin: Frau, Logie: Wissenschaft. In diesem Fach haben wir gelernt, dass Frauenkörper und die Welt gleich sind. Die Welt erneuert sich ständig: Im Herbst werden die Blätter zu Laub, im Frühling öffnen sich die Blumen. Frauen haben auch einen solchen Zyklus: Sie haben eine Periode, und wie die Erde können sie Leben erschaffen und Kinder aus ihrem Körper nähren. Das Gemälde, das du ansprichst, zeigt im Übrigen eine kurdische Frau. 

Woran ist das erkennbar?

An der roten Schleife, die um ihren Körper weht. Wenn bei uns eine Frau heiratet, bindet man ihr manchmal eine solche rote Schleife um die Taille. Das bedeutet, dass sie noch Jungfrau ist. Damit, dass diese Schleife auf dem Gemälde um ihren nackten Körper im Wind weht, äussere ich Kritik an diesem Umstand.

Deine allererste Einzelausstellung hattest du 2015 in Amed, Nordkurdistan. Wie hat Kunst dich mit der Welt verbunden?

Lange Zeit konnte ich mich ohne Kunst nicht akzeptieren. Ich wusste nicht, ob ich ohne Kunst überhaupt existiere. Das künstlerische Umfeld war der einzige Weg, damit ich mich nicht immer fremd fühlte. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich ein, zwei Monate lang nicht gemalt habe.

Und heute?

Langsam verstehe ich, dass ich mich auch ohne Kunst akzeptieren muss, einfach als Mensch. Aber sie ist ein Teil von mir. Ich mache Kunst vor allem dann, wenn ich Schmerzen habe. Ich meine das nicht in einem negativen Sinn. Kunst bringt mich dazu, genau hinzuschauen: Wenn ich Blumen anschaue, sehe ich ein Gemälde mit wunderbaren, naiven Verbindungen und Harmonien von Farbtönen. Das macht mich empfindlich, eben fast wie ein Schmerz. Dieser Schmerz macht mir Freude, ich mag ihn und vermisse ihn, wenn ich ihn nicht fühle. In ihm liegt für mich mehr Bedeutung als in Glück. Trotzdem haben mir viele Leute angeraten, stattdessen einfach Glück zu malen.

Warum?

Weil sie traurig sind, wenn sie meine Kunst sehen. Während meiner Zeit an der Universität in Erbil haben mir Professor:innen gesagt, sie wollten deshalb nicht mehr an meine Ausstellung kommen. Sie wollten sich nicht mit der kurdischen Realität konfrontieren, die 40 Autominuten von ihnen entfernt stattfand. Das hat mich wütend gemacht, aber ich habe nach einer Weile aufgegeben zu versuchen, ihnen die Situation zu erklären.

Werden deine Gemälde in der Schweiz anders verstanden als in Erbil oder in Kurdistan?

Ja. In Kurdistan habe ich mich, anders als manche kurdische Künstler:innen, europäisch orientiert: Ich habe zum Beispiel die «Venus» von Boticelli interpretiert oder den «Kuss» von Klimt. Hier wird meine Kunst als kurdische Kunst verstanden. Ich zeige meine Identität deutlicher, weil sie hier weniger bekannt ist.

Hast du manchmal das Gefühl, etwas repräsentieren zu müssen?

Ein bisschen. Aber ich mag es auch einfach, eine nackte Frau zu malen und mit meiner Kultur zu verbinden, das macht mir Spass. Heute kann ich kaum noch malen, ohne einen Schal oder etwas anderes aus meiner Kultur einzubauen. So fühle ich mich meinem Bild zugehörig. Es ist ein Müssen genauso wie ein Wollen. Letztlich geht es mir in jedem Bild darum, etwas zu suchen.

Wonach suchst du?

Nach dem, was fehlt. Wenn man nichts hat und nirgendwo hingehört, sucht man nach allem. Zum Beispiel suche ich in einem Bild nach Freiheit. Freiheit ist für mich nicht mehr eine Flagge oder ein Staat, sondern einfach Ruhe. Freiheit ist, sagen zu können: Ich spreche diese Sprache, und das ist akzeptiert.

Woran arbeitest du gerade?

Im Kulturlabor steht ein unfertiges Gemälde von mir, an dem ich wegen der Schule lange nicht habe arbeiten können. Ich vermisse es. Es zeigt einen Frauenkörper in einer vom Krieg zerstörten Stadt, und die Frau spielt Geige, ohne aber eine Geige in der Hand zu halten. Wir sagen: «Musik ist die feinste Form des Krieges.» Die Frau wird ausserdem einen langen Zopf tragen, das habe ich von Anfang an gewusst. Auch er ist bedeutungsvoll.

Inwiefern?

Lange Haare sind für Kurdinnen sehr wichtig und gelten als schön. Der Zopf ist ein Symbol dafür, dass kurdische Frauen immer arbeiten, zuhause genauso wie an der Front als Kämpferinnen. Das Symbol wurde weltweit bekannt, als die Kurd:innen gegen ISIS kämpften: Ein ISIS-Terrorist hat eine junge Kämpferin aus Rojava getötet und ihr den Zopf abgeschnitten. Danach haben sehr viele Frauen, nicht nur Kurdinnen, ihre Haare geflochten, um ihre Solidarität auszudrücken.

Zu Beginn unseres Gesprächs sagtest du, die Geschichte der Kurd:innen sei auch eine Geschichte des Widerstands. Die kurdische Diaspora hat eine starke Tradition zum politischen Widerstand: Erst Ende Januar fand auf dem Herrenacker eine grosse Demonstration für Rojava statt.

Ja, weil wir keine andere Option haben. Seit Jahrhunderten stehen Kurd:innen vor der Vernichtung. Besonders wir Kurd:innen in ­Makhmour sind seit Jahrzehnten Geflüchtete und staatenlos. Wir haben keine Menschenrechte, unser Lebensraum war und ist nicht zum Leben gemacht. In den ersten Jahren sind Dutzende Kinder an Schlangenbissen gestorben oder an Skorpionstichen. Kurd:innen zeigen nicht nur im Krieg Widerstand, sondern mit dem Leben selbst.

Wir schenken Dir diesen Artikel. Aber Journalismus kostet.
Hier geht es zum Probe-Abo: drei Monate lang jede Woche eine AZ für nur 48 Franken.

The post Die Früchte des Nussbaums appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Inside GVS https://www.shaz.ch/2026/03/26/inside-gvs/ Thu, 26 Mar 2026 12:00:00 +0000 https://www.shaz.ch/?p=10744 Der GVS kommt nicht zur Ruhe: Im Herbst 2024 entliessen der Verwaltungsratspräsident und der CEO drei führende Mitarbeiter. Nun sind es die beiden Führungspersonen, die gehen. Eine Rekonstruktion mit Innensicht. Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass der Verwaltungsratspräsident des Landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbands Schaffhausen (GVS) seinen sofortigen Rücktritt bekannt gegeben hat. Eine Woche später informierte das Unternehmen […]

The post Inside GVS appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Der GVS kommt nicht zur Ruhe: Im Herbst 2024 entliessen der Verwaltungsratspräsident und der CEO drei führende Mitarbeiter. Nun sind es die beiden Führungspersonen, die gehen. Eine Rekonstruktion mit Innensicht.

Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass der Verwaltungsratspräsident des Landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbands Schaffhausen (GVS) seinen sofortigen Rücktritt bekannt gegeben hat. Eine Woche später informierte das Unternehmen intern auch über die Kündigung des CEO. Man wolle damit «Raum schaffen für neue Perspektiven und Impulse». Der Abgang der zwei Führungspersonen ist das Ergebnis einer Entwicklung, die sich seit Längerem abzeichnete. Nun steckt der Karren im Dreck. Haben die Verantwortlichen zu spät reagiert?

Der Funke

Es war ein warmer Septembermorgen, vor eineinhalb Jahren: Noch vor acht Uhr bekamen drei führende Mitarbeiter der GVS Gruppe die Kündigung vorgelegt und wurden per sofort freigestellt. Wenige Stunden später informierte die Unternehmensleitung die Belegschaft und erklärte den Schritt mit einer Restrukturierung der Führungsebene, welche die Entlassungen unumgänglich gemacht hätte. Und versicherte, dass es keine weiteren Kündigungen geben würde. Das vermochte die Zweifel in der Belegschaft nicht legen. Man fragte sich, warum Leute gehen mussten, während andere bleiben durften. Was bedeutete es, sich der «aktuellen und zukünftigen wirtschaftlichen Situation» anpassen zu müssen? Kam da bald noch mehr? 

Dann aber ging alles wieder seinen gewohnten Gang. Das Unternehmen hielt Wort, Entlassungen gab es keine weiteren. Der Geschäftsführer und die Bereichsleiter:innen stellten bald die halbjährlichen Geschäftszahlen vor. Die Konjunkturlage sei angespannter als auch schon, man sei aber auf gutem Weg. Heute, eineinhalb Jahre später, ist klar, dass das zu optimistisch war: Das Unternehmen muss erneut die Notbremse ziehen. 

Der AZ liegt ein internes Infoschreiben vor, das an die GVS-Belegschaft gesendet wurde. Es habe sich gezeigt, dass «die strukturellen Herausforderungen in einzelnen Bereichen» massiv grösser seien als ursprünglich angenommen. Zudem habe sich die Situation angesichts der provisorischen Zahlen des Jahresabschlusses 2025 noch verschärft. So könne das Transformationsprojekt in seiner bisherigen Form «nicht mehr sinnvoll» umgesetzt werden. Anders gesagt: Das Unternehmen hat grosse finanzielle Probleme.

Der Knall 

Von aussen wirkt der Rücktritt von VR-Präsident Tappolet und CEO Markus Angst wie eine Flucht aus der Verantwortung. Ihm sei klar, dass dieser Eindruck entstehen könnte, so Markus Angst gegenüber der AZ. Aber nach über 20 Jahren im GVS brauche es ein neues Mindset in der Führung. Ihm fehlten die nötige Zeit und Energie dafür. So klingt Resignation.

Um zu verstehen, wie der GVS sich in diese festgefahrene Lage manövriert hat, muss man sich die Geschichte des Verbandes anschauen. Ende des 19. Jahrhunderts, als viele Bauern durch Industrialisierung und beginnende Globalisierung um ihre Existenz fürchten mussten, erschien der Genossenschaftsgedanke als Retter in der Not. Überall im Land schlossen sich die Landwirte zusammen – als Hilfe zur Selbsthilfe. Der gemeinsame Bezug von Gütern, wie zum Beispiel Landmaschinen oder die Beschaffung von Saatgut oder Dünger, waren zentrale Zwecke der Genossenschaften und sind es bis heute. 

Immer noch hat im Kanton Schaffhausen praktisch jedes Dorf seine eigene landwirtschaftliche Genossenschaft mit eigener Verwaltung. Sie sind Sektionen und Eigentümer des GVS, der 1911 als Dachverband gegründet wurde. Die Sektionen wählen alle fünf Jahre die Mitglieder des Verwaltungsrates, verabschieden den Jahresabschluss und entscheiden über grössere Investitionen. Es ist eine symbiotische Beziehung: Die Sektionen sind verpflichtet, «ihren Warenbedarf nach Möglichkeit beim Verband zu beziehen» und «Aussenkäufe zu vermeiden», wie es in den Statuten festgehalten ist. Umgekehrt nimmt der Verband die landwirtschaftlichen Erzeugnisse – Trauben, Getreide – seiner Mitglieder an und vermarktet sie. Auch das ist fester Bestandteil des Verbandszwecks und darauf berufen sich die Schaffhauser Landwirte gerne. Sowohl die Schaffhauser Bauern wie der GVS betonen immer wieder die Pfeiler ihrer Gründungsidee: Solidarität, Selbsthilfe und Selbstverantwortung. 

Unter dieser Prämisse und als «Unternehmen der Schaffhauser Bauernfamilien» ist der GVS über die Jahrzehnte weiter gewachsen und hat seine Tätigkeitsfelder ausgeweitet. Aus der bäuerlichen Selbsthilfe ist ein international tätiger Konzern mit über 500 Mitarbeitenden und 300 Millionen Franken Gesamtumsatz geworden (Zahlen aus dem Jahresbericht 2024). Der GVS besteht aus drei Geschäftsbereichen, wovon zwei (die GVS Weine AG und die GVS Landi AG) ihre Tätigkeit auf die Region Schaffhausen konzentrieren. Im Landmaschinenhandel ist er schweizweit tätig und ist mit 36 Prozent Marktanteil der Marktleader. Umsatz: 219 Millionen Franken. Eine Tochterfirma mit über 100 Angestellten agiert zudem im grenznahen Frankreich. 

Die Geschäftsbereiche sind zu Aktiengesellschaften geworden, aber immer noch als Tochterfirmen den Delegierten des Verbandes – den Schaffhauser Landwirten – als oberstes Organ unterstellt. Ein Konzern, der genossenschaftlich organisiert ist – kann das gut gehen?

Lange ist es gut gegangen. Auch vor allem deshalb, weil der gut aufgestellte Landmaschinenzweig die beiden lokalen Bereiche quersubventioniert hat, als sich bei diesen Probleme abzuzeichnen begannen (zum Beispiel durch den sinkenden Weinkonsum). Das ist ein offenes Geheimnis. Nun aber schlägt sich die abgekühlte Konjunkturlage auch im Landmaschinensektor nieder. Und dem Goldesel gehen die Batzen aus.

Noch-CEO Markus Angst gibt gegenüber der AZ zu, dass das genossenschaftlich geprägte Geschäftsmodell mehr und mehr am Markt vorbei produziert habe und der angezeigte Wandel verpasst worden sei. Und erklärt diese Trägheit mit dem Bild eines grossen, schwer beladenen Frachters: «Die heutige Form des Verbandes hat den Nachteil, dass es etwas länger geht, bis ein Steuerimpuls greift.» Der eingeschlagene Kurs hätte seiner Meinung nach funktioniert, wenn sich die Rahmenbedingungen in den letzten fünf Jahren nicht massiv und schneller als erwartet verschlechtert hätten. Die Zeit soll also die grosse Spielverderberin sein. 

Wer sich aber umhört, erhält auch das Bild von einem Geschäftsführer, dem die Arbeit zunehmend über den Kopf gewachsen ist und der zu viele Dinge gleichzeitig erledigen wollte. Hatte er für die Umsetzung seines Kurses die falschen Leute an Bord? Den Vorwurf weist Markus Angst entschieden zurück: Die Geschäftsführung und die Bereichsleitung hätten keine Probleme in der Zusammenarbeit gehabt. «Die Transformation wurde sehr wohl vorangetrieben.»

Keine Energie mehr: Markus Angst (links) war 20 Jahre lang für den GVS tätig, davon drei Jahre als CEO. Der Landwirt Cyril Tappolet verabschiedet sich nach fünf Jahren aus dem Verwaltungsrat. Fotos: zVg / GVS Gruppe

Die Organisation des GVS bringt in der Führungsebene zudem eine weitere Besonderheit mit sich. In den Verbands-Statuten ist festgehalten, dass die Mitglieder des Verwaltungsrates einer seiner Sektionen angehören müssen – sie also mit grosser Wahrscheinlichkeit landwirtschaftlich tätig sind. Müsste die Leitung eines international tätigen Millionenunternehmens nicht breiter aufgestellt sein? Es sei ein Bestreben, die aktuell bestehenden Vakanzen mit den geforderten Kompetenzen zu besetzen, antwortet Kommunikationschef Philippe Brühlmann. Die Suche sei bereits eingeleitet worden.

Es wäre aber zu einfach, die ganze Verantwortung für die letzten zwei Jahre alleine der Unternehmensführung zuzuschreiben. Schweizweit haben sich die Strukturbereinigungen in ähnlichen Genossenschaftsgebilden schon lange vollzogen, während die Schaffhauser in ihrem lokal begrenzten Denken hängengeblieben und von den strukturellen Veränderungen überholt worden sind. Das haben die Eigentümer des GVS, die Schaffhauser Bauern, offensichtlich nicht bemerkt. 

Doch Christian Müller, Chef des Schaffhauser Bauernverbandes, gab sich im Gespräch mit den Schaffhauser Nachrichten nicht selbstkritisch, sondern äusserte vielmehr die Vermutung, die Bauern seien nicht genügend über die prekäre Lage ihres Unternehmens informiert gewesen. Darauf angesprochen, winkt Noch-Geschäftsführer Angst ab: «Die Geschäftsberichte aus den vergangenen Jahren sind online verfügbar.» Zur Frage, ob seine Vorgänger Fehler begangen hätten, möchte er sich nicht äussern, in der Vergangenheit zu wühlen, bringe nichts. Die Kommunikation sei in den letzten zwei Jahren offen und transparent gewesen. Hätte man dann nicht erst recht schneller reagieren müssen? 

Man könnte diese Frage mit einem einfachen Ja beantworten, aber so einfach sei es eben nicht. Die Welt des Genossenschaftsverbandes sei komplex. «Grundsätzlich werden Veränderungen ungern angenommen, und wenn der Leidensdruck nicht hoch genug ist, finden sich immer wieder Gründe, warum man etwas jetzt nicht oder eben später umsetzen könnte.»

Der Nachhall

Der GVS ist stolz darauf, ein familiäres Unternehmen zu sein. So familiär, dass es seinen Mitarbeitenden einiges durchgehen lässt – die sich im Gegenzug sehr loyal zeigen. Nicht wenige sind dem GVS bereits ihr ganzes Arbeitsleben treu. Trotz all der Unsicherheiten und Veränderungen in den letzten Monaten und Jahren gab es erstaunlich wenig Abgänge.

Doch die Kommunikation zur aktuellen Situation verunsichert die Belegschaft nun doch –  und sie wirft Fragen auf: Über die Veränderungen wurde nur intern und mit grossem zeitlichem Abstand informiert, während die Nachricht über den Abgang der beiden Führungspersonen über Umwege bereits an die Öffentlichkeit kam, bevor die Mitarbeitenden überhaupt wussten, was los war. Eine offizielle Pressemitteilung wurde bis Redaktionsschluss nicht verschickt. Markus Angst nimmt seinen Kommunikationschef Philippe Brühlmann in Schutz. Die Kommunikation in einem genossenschaftlichen Konstrukt mit seiner vielschichtigen Eigentümerschaft sei schwierig: Man stehe sofort in der breiten Öffentlichkeit. «Wir müssen uns aber auch eingestehen, dass nicht alles optimal abgelaufen ist, was wir bedauern – dies hatte unter anderem auch mit Indiskretionen zu tun, was unserem gewünschten Prozess massiv geschadet hat.» Das Unternehmen habe seine Lehren daraus gezogen.

Bis gestern Mittwoch wurden alle Mitarbeitenden über die aktuelle Lage und die nächsten Schritte informiert. Das Unternehmen verfügt einen teilweisen sofortigen Einstellungs- und Investitionsstopp. Der bisherige Verwaltungsrat Sacha Cerini (Schleitheimer Gemeinderat und zuletzt im Entsorgungsbereich tätig) übernimmt die Geschäftsführung ab Juli, nachdem er bereits seit einigen Monaten den abtretenden Markus Angst als rechte Hand unterstützt hatte. Weitere Schritte sollen nach und nach bekannt gegeben werden. Es werde alles dafür getan, die Arbeitsplätze zu sichern, beteuerte das Unternehmen. Gleichzeitig liess der GVS verlauten, man könne sich Angestellte, die für die Firma keinen Gegenwert mehr erbringen, nicht mehr leisten. Vorerst bleiben – mit wenigen Rochaden – die gleichen Leute am Steuer wie bisher. Sie müssen einen schwerfälligen Koloss aus dem Dreck ziehen. 

Die Autorin arbeitete bis 2025 während acht Jahren als Mediengestalterin bei der GVS Agrar AG.

Wir schenken Dir diesen Artikel. Aber Journalismus kostet.
Hier geht es zum Probe-Abo: drei Monate lang jede Woche eine AZ für nur 48 Franken.

The post Inside GVS appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Veni, Vidi, Ventil https://www.shaz.ch/2026/03/23/veni-vidi-ventil/ Mon, 23 Mar 2026 08:16:25 +0000 https://www.shaz.ch/?p=10729 Während des Gazakriegs exportierte Georg Fischer Dual-Use-Güter nach Israel. Rechtlich ist das erlaubt. Einzelne Geschäftsbeziehung werfen trotzdem Fragen auf. Anne-Christine Schindler Einen Designpreis wird Georg Fischer für seine Produkte wohl nie gewinnen. Kugelhähne, Absperrkappen und Druckhalteventile stellt das Unternehmen her, bunte kleine Kunststoffdinger, eins unscheinbarer als das andere. Aber wie heisst es so schön: Form […]

The post Veni, Vidi, Ventil appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Während des Gazakriegs exportierte Georg Fischer Dual-Use-Güter nach Israel. Rechtlich ist das erlaubt. Einzelne Geschäftsbeziehung werfen trotzdem Fragen auf.

Anne-Christine Schindler

Einen Designpreis wird Georg Fischer für seine Produkte wohl nie gewinnen. Kugelhähne, Absperrkappen und Druckhalteventile stellt das Unternehmen her, bunte kleine Kunststoffdinger, eins unscheinbarer als das andere. Aber wie heisst es so schön: Form follows function. Und ohne solche Teilchen gäbe es ganze Industrien nicht.

Einige von ihnen sind denn auch als Dual-Use-Güter klassifiziert — als Güter also, die sowohl für zivile wie militärische Zwecke verwendet werden können. Aus diesem Grund tauchen mehrere GF-Produkte auf einer Liste des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco auf, die die WOZ Anfang März publizierte. Gemeinsam mit dem WAV-Recherchekollektiv und dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS war sie Exporten von Dual-Use-Gütern nach Israel nachgegangen, die das Seco zwischen dem 7. Oktober 2023, dem Beginn des Gazakriegs, und dem 19. März 2025 bewilligt hatte. 18 dieser Bewilligungen hat das Seco an Georg Fischer ausgestellt.

Rechtlich hat alles seine Ordnung. Aber es lohnt sich trotzdem, genauer hinzuschauen, gerade auf den Kontext der Lieferungen. Im Januar 2024 befand der Internationale Strafgerichtshof, ein Völkermord Israels in Gaza sei «plausibel». Im November desselben Jahres erliess das Gericht deswegen einen Haftbefehle gegen den israelischen Regierungschef und seinen ehemaligen Verteidigungsminister.

Weisser Phosphor und Kerosin

Auffällig sind etwa Lieferungen von Georg Fischer an Israel Chemicals. Anfang 2025 lieferte GF dem Chemiekonzern Kugelhähne aus Polyvinylidenfluorid (PVDF) im Wert von jeweils mehreren hundert Franken.

Laut der Recherche von RTS werfen mehrere NGOs Israel Chemical vor, für militärische Zwecke weissen Phosphor herzustellen. Amnesty International und Human Rights Watch dokumentierten im Oktober 2023 Fälle, in denen die israelischen Streitkräfte (IDF) an der libanesischen Grenze und in Gaza weissen Phosphor als Brandwaffe in zivilen Gebieten eingesetzt haben sollen. Die IDF weisen diese Vorwürfe zurück. Die Kugelhähne, welche die GF Israel Chemicals geliefert hat, werden in der chemischen Industrie oft für den Bau von Ventilen verwendet.

Im Gegensatz zu Metallhähnen weisen sie eine hohe Korrosionsbeständigkeit gegen aggressive Chemikalien auf, was sie etwa für die Produktion von Phosphorsäure — ein strategisches Hauptprodukt von Israel Chemicals — besonders geeignet macht.

Der Ashdod Refinery, einer der beiden grossen Raffinerien in Israel, verkaufte GF im selben Zeitraum zwei PVDF-Druckhalteventile im Wert von knapp 2000 Franken. Laut einem Bericht des niederländischen Forschungszentrums SOMO, auf den RTS verweist, beliefert die Ashdod Refinery das Energieunternehmen Paz Oil mit Kerosin, womit Militärjets der israelischen Luftwaffe betankt werden. Ebenfalls zu den Endempfängern von GF-Produkten, die in der Seco-Liste auftauchen, gehört das Unternehmen Elad Technologies, das automatische Beschichtungs- und Oberflächenveredelungsanlagen unter anderem für die Verteidigungsindustrie, Raum- und Luftfahrt herstellt.

In vier Fällen stufte das Seco Lieferungen von GF an Intel als bewilligungspflichtige Dual-Use-Güter ein; dabei handelte es sich etwa um Ventile oder Membranen, wie sie in der Halbleiterindustrie oft zum Einsatz kommen. Intel ist keine Beteiligung am Gaza-Krieg nachgewiesen. Allerdings basiert das Fahrzeug-Taktikcomputersystem ETC MK7, das unter anderem in den Merkava-Panzern verbaut ist, auf Prozessoren und Grafikkarten von Intel. Die Panzer wiederum kamen in Gaza zum Einsatz.

GF-Verhaltenskodex

Im Verhaltenskodex von GF steht, alle vom Unternehmen hergestellten Produkte seien für die friedliche Nutzung bestimmt. In Ausnahmefällen könnten aber «einzelne Produkte für die Herstellung von Materialien für militärische Zwecke verwendet werden», wobei die entsprechenden Exportkontrollbestimmungen zu beachten seien.

Der AZ schreibt GF, dass es seine Geschäftspartner und Endkunden «so sorgfältig wie möglich im Rahmen der verfügbaren Informationen und der gesetzlichen Anforderungen» prüfe, bevor es beim Seco eine Ausfuhrbewilligung beantrage. Grundsätzlich würden nur Bewilligungen eingereicht, bei denen GF davon ausgehe, dass sie bewilligungsfähig seien; bisher habe das Seco noch nie eine Ausfuhrbewilligung für Lieferungen nach Israel nicht erteilt.

Das Seco schreibt, es lehne Exportbewilligungen nach Israel ab, «wenn Grund zur Annahme besteht, dass die aus der Schweiz exportierten Güter in den aktuellen Konflikten zum Einsatz kommen oder von Israel im Zusammenhang mit der illegalen Besetzung palästinensischer Gebiete verwendet würden». Das sei bei den genehmigten Gesuchen nicht der Fall gewesen. Fakt ist auch: Finanziell fallen die Exporte von GF, die auf der Seco-Liste aufgeführt sind, nicht ins Gewicht — insgesamt geht es um etwas über 15 000 Franken.

Im Verhaltskondex der GF steht übrigens auch: «Integrität und Ethik prägen unser Geschäftsgebaren.»

Wir schenken Dir diesen Artikel. Aber Journalismus kostet.
Hier geht es zum Probe-Abo: drei Monate lang jede Woche eine AZ für nur 48 Franken.

The post Veni, Vidi, Ventil appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Retter der Qualitätspresse https://www.shaz.ch/2026/03/19/retter-der-qualitaetspresse/ Thu, 19 Mar 2026 13:34:23 +0000 https://www.shaz.ch/?p=10722 Der Tagesanzeiger stösst in den Schaffhauser Lokaljournalismus vor, laut Interna mit klarem Ziel. Ein Hoch auf die vierte Gewalt. Wir lieben unsere Konkurrenz. Die Schaffhauser Nachrichten, die wir gerne necken und deren Tagesjournalismus wichtig für uns ist. Ebenso die Lokalblätter, die regionalen Radio- und Fernsehsender oder die Gratiszeitung Bock. Die Schaffhauser Medienvielfalt blüht – und […]

The post Retter der Qualitätspresse appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Der Tagesanzeiger stösst in den Schaffhauser Lokaljournalismus vor, laut Interna mit klarem Ziel. Ein Hoch auf die vierte Gewalt.

Wir lieben unsere Konkurrenz. Die Schaffhauser Nachrichten, die wir gerne necken und deren Tagesjournalismus wichtig für uns ist. Ebenso die Lokalblätter, die regionalen Radio- und Fernsehsender oder die Gratiszeitung Bock. Die Schaffhauser Medienvielfalt blüht – und nun haben wir einen weiteren Konkurrenten bekommen! Ein wahres Schwergewicht: Niemand geringeres als der Tagesanzeiger stösst neu in den Schaffhauser Lokaljournalismus vor.

Und offenbar ist er ganz nah dran: Seit Anfang Jahr berichtet die Zeitung online darüber, wenn das Munotstädtli einen neuen Feuerwehrkommandanten und die Gemeinde Neuhausen einen neuen Spielplatz hat. Gespannt klicken wir auf die publizierten Artikel: Vom Zürcher Medienhaus mit seinen ausgezeichneten Journalistinnen und Journalisten können wir bestimmt etwas lernen.

Denn völlig klar: Dass die TX Group auf den Platz Schaffhausen vorstösst, das muss Liebe zum Lokaljournalismus sein. Gerade vor zwei Monaten publizierte der Tagesanzeiger einen Meinungsbeitrag zur Wichtigkeit der Medienvielfalt. Als positives Beispiel nannten die beiden zeichnenden Politolog:innen Schaffhausen: «Nur noch dort, wo ein vielfältiger Medienplatz erhalten geblieben ist (etwa in Schaffhausen), finden die Kantonsbehörden weiterhin private Medien, die ihr Handeln regelmässig kritisch begleiten.»

Andernfalls seien die Folgen fatal: die Kantone würden die Lücke durch eigene «Newsrooms» füllen. Das Resultat sei journalistisch aufbereitete Behördenkommunikation, ohne Kontrolle einer unabhängigen «vierten Gewalt», so warnt der Beitrag. Ein Horrorszenario für die Demokratie.

Ungewöhnlich

Was ein Glück also, dass der Tagesanzeiger nun persönlich nach Schaffhausen kommt, um die vierte Gewalt zu stärken!

Wie wir uns durch die Schaffhauser Lokalnachrichten der Zeitung klicken, staunen wir dann aber doch. Der Tagesanzeiger bereichert das hiesige Medienleben mit neusten Methoden. Die Artikel kommen ohne Autoren aus – sie wurden «mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt» und basieren im Original auf «Gemeindemitteilungen», so heisst es kleingeschrieben am Ende. Welch Paradebeispiel für die vierte Gewalt.
Damit setzt der Tagi ganz neue Massstäbe vor Ort: Journalistische Einordnung? Überbewertet. Lokalkenntnisse? Pff.

Besser einfach das Communiqué der Stadt Schaffhausen als journalistischen Inhalt verpacken. Einer der 14 Artikel, welche die Tagi-KI seit Anfang Jahr zu Schaffhausen veröffentlichte, widmet sich dem geplanten städtischen Gasausstieg, der nun bis 2040 erfolgen soll – kein Wort von der umkämpften Wärmeversorgung in der Stadt, die noch bis vor wenigen Jahren ihr Gasnetz weiter ausbaute.

Auch lesenswert der Bericht «Stadt sucht neuen Pächter für das Theaterrestaurant»: Wen interessiert schon, dass die Stadt bei ihrer Beiz in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Wechseln und Problemen kämpfte?

Im Artikel zum neuen städtischen Feuerwehrkommandanten hingegen kommt man sehr wohl in den Genuss einer Einordnung: der künftige Chef bringe «einen ungewöhnlichen Werdegang mit», so die Schlagzeile des Tagis. Nun, der Mann arbeitete hauptberuflich über 20 Jahre bei Schutz & Rettung Zürich, aktuell in einer leitenden Funktion, zuvor war er Hauptmann bei der Schaffhauser Feuerwehr, der er lange diente. Ein regelrechter Quereinsteiger.

Das «Grundrauschen»

Trotz unserer Freude über die neue Konkurrenz aus Zürich stellen wir fest: ein klein bisschen derangiert wirken diese KI-Lokalnachrichten. Dennoch erscheinen sie bei der Googlesuche nach News aus Schaffhausen natürlich ganz oben und locken die Leserschaft auf die Website des Tagesanzeigers.

Das Zürcher Medienhaus kommunizierte intern gegenüber Mitarbeitenden im Frühjahr 2025 denn auch, es handle sich um das Projekt «Hyperlocal Content» (anders als die KI haben wir: recherchiert. Die interne Mitteilung liegt uns vor). Mit dem Einsatz von KI wolle man so auch in kleineren Gemeinden «ein Grundrauschen» erzeugen – für Vermarktungszwecke, versteht sich.

Gemäss interner Mitteilung geht es darum, den «Gemeinde-Newsletter» zu pushen. Dieser habe hohe Öffnungsraten – und der Verlag wolle «Gemeinden für bezahlte Modelle gewinnen». Natürlich könnte sich auch hinter den Lokalnews «eine Geschichte verbergen», die «redaktionelle Aufmerksamkeit erfordert», hält die TX Group dann doch immerhin fest. Wie oft das tatsächlich passiere, müsse man herausfinden.

Wie wir hingegen aus der öffentlichen Mitteilung von diesem Januar, in der TX-Group-Chefin Jessica Peppel-Schulz den Personalabbau von 25 bis 30 Stellen bekannt gab, ebenfalls wissen: der Konzern baut KI schliesslich nur für hehre Ziele aus – nämlich, um den Qualitätsjournalismus zu retten. Auch wenn Peppel-Schulz natürlich «jede verlorene Kollegin schmerzt, jeder verlorene Kollege schmerzt.» Das Unternehmen müsse diese Verantwortung «übernehmen, um Journalismus und Tamedia eine Zukunft zu geben», so die Chefin.

Wir sind also gespannt, mit welch künstlich intelligentem «Grundrauschen» die TX Group unseren Schaffhauser Medienplatz weiter fluten will.

Wir schenken Dir diesen Artikel. Aber Journalismus kostet.
Hier geht es zum Probe-Abo: drei Monate lang jede Woche eine AZ für nur 48 Franken.

The post Retter der Qualitätspresse appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Touch, don’t look https://www.shaz.ch/2026/03/18/touch-dont-look/ Wed, 18 Mar 2026 07:00:00 +0000 https://www.shaz.ch/?p=10705 Wer sagt, dass alte Rechner hässlich sind? In Schaffhausen eröffnet Nikolai Knopp-Stockfisch demnächst das charmanteste Computer-Museum der Schweiz. Anne-Christine Schindler Obwohl er spät dran ist, hat sich Nikolai Knopp-Stockfisch fürs Treffen mit der AZ extra seinen Bart neu geflochten. Winkend fährt er auf dem Gaswerkareal vor. Der Bart wippt fröhlich.Gemeinsam mit seinem Mann Lenard hat […]

The post Touch, don’t look appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>
Wer sagt, dass alte Rechner hässlich sind? In Schaffhausen eröffnet Nikolai Knopp-Stockfisch demnächst das charmanteste Computer-Museum der Schweiz.

Anne-Christine Schindler

Obwohl er spät dran ist, hat sich Nikolai Knopp-Stockfisch fürs Treffen mit der AZ extra seinen Bart neu geflochten. Winkend fährt er auf dem Gaswerkareal vor. Der Bart wippt fröhlich.
Gemeinsam mit seinem Mann Lenard hat Nikolai Knopp-Stockfisch hier am Lindli ein kleines Nerd-Paradies geschaffen. In der Zwischennutzung haben sich die beiden zwei Räume gesichert: Im einen organisiert Lenard Strategiespiele, im andern eröffnet Nikolai in wenigen Tagen ein Computermuseum.

«Diskette» heisst es und ist klein und fein, wie das Speichermedium. Knopp-Stockfisch schliesst die Tür auf und man spürt ihm die Freude an, dass er seine Leidenschaft bald mit der grossen, weiten Welt teilen kann.

Die Böden im Ausstellungsraum sind frisch abgeschliffen, die Wände haben Lenard und Nikolai fliederfarben gestrichen. Vor dem Fenster fliesst der Rhein vorbei. Auf Tischen sind Computer aus den Achtziger- und Neunzigerjahren aufgereiht.

«Soll ich alle einschalten?», fragt Knopp-Stockfisch. Surrend und ratternd fahren die Geräte hoch. Der Amstrad PPC 512, Baujahr 1987, meldet sich mit einem insistierenden Piepen.

Gutes für Grosis

Der Amstrad PPC sieht aus wie eine abstrahierte Schreibmaschine, läuft mit acht dicken Batterien, Typ D, «die gleichen, die auch in den fetten Boomboxen steckten», erklärt Nikolai Knopp-Stockfisch. Relativ teuer seien die gewesen, und sie hielten, wenn man Glück hatte, zwei Stunden. «Das musste man wirklich wollen», kommentiert er trocken.

Oder hier, der legendäre Apple Lisa. Bei der Lancierung 1983 kostete er 10 000 Dollar. Ein Rohrkrepierer.
Seine Ausstellungstücke findet Knopp-Stockfisch auf Flohmärkten. Manchmal qualmt so ein Computer beim ersten Einstecken. Magic Smoke nennt man das in der Szene. Das stinke dann höllisch, für Tage, sagt er.

Zischend öffnet Nikolai Knopp-Stockfisch eine Hülse Spezi. Erzählt, wie er als Vierjähriger auf den Macintosh Plus angefixt wurde, den sein Vater eines Tages nach Hause brachte. Im Städtchen bei Köln, wo er aufwuchs, sei er schon als Primarschüler der Computerfachmann «für alle Bekannten und deren Katzen» gewesen.

«Soll ich den Party-Trick vorführen?»

Nikolai Knopp-Stockfisch

Als Steve Jobs 1998 im obligaten Rollkragenpulli den iMac präsentierte – eine bunte Kiste, die an eine Kreuzung von einem Bonbon und einem Motorradhelm erinnerte und statt mit einem Diskettenlaufwerk mit einem Schlitz für CD-Roms und USB-Anschlüssen daherkam – versetzte das den zwölfjährigen Disketten-Fan Nikolai in ungläubiges Erstaunen.

Später studierte er Informatik. Das Studium habe sein Nerdtum auf ein neues Level gehoben, sagt er: Weil da plötzlich so viele Leute mit mit den gleichen Interessen und viel Wissen waren.

Auch bei Google war das so. Elf Jahre lang tüftelte er dort an Software herum, legte eine ordentliche Karriere hin. Er glaubte an die Vision, das Umfeld, das inoffizielle Google-Motto: Don’t be evil. Einmal gewann sein Team einen «Awesomeness Award».

Dann kam die erste grosse Runde Layoffs: Im Januar 2023 entliess Google über Nacht 12 000 seiner US-Angestellten per E-Mail. Das Klima änderte sich, die Interessen der Shareholder wurden wichtiger. «Die Magie war für mich raus», sagt Knopp-Stockfisch. Ende 2024 hängte er seinen Job an den Nagel.

Jetzt macht er vorerst, was er möchte. «Das», sagt er, «ist der Luxus aus elf Jahren Grosskonzern.»
Knopp-Stockfisch sieht aus wie ein Metalhead und ist auch einer. Er erzählt von LAN-Partys – Gaming-Sessions mit anderen Computerfans, die ihre alten Kisten an einen Ort schleppen, um gemeinsam zu gamen – bei denen es ähnlich wild zu und hergehe wie im Moshpit. Man brülle sich an, lasse allen Druck ab, und wenn man fertig sei, helfe man wieder den Grosis über die Strasse.

Das macht Spass, und die Grosis haben auch etwas davon.

Serious Business und Spassgeräte

Am Fenster steht ein Compaq Portable II, Baujahr 1986, in Koffer-Optik. Mit knapp elf Kilogramm ist er ungefähr so schwer wie eine moderne Hightech-Nähmaschine, verfügt allerdings über deutlich weniger Speicherplatz. Googelt man den Compaq Portable II, spuckt das Internet ein Filmchen von Knopp-Stockfisch aus, der das Teil, mit lüpfiger Computermusik unterlegt, durch Zürich spazieren trägt.

«Soll ich den Party-Trick vorführen?», fragt er mit der ihm eigenen Mischung aus Freundlichkeit und Begeisterung, und man stellt sich gleich lebhaft vor, wie er das Monstrum auf einen Beer-Pong-Tisch wuchtet.

Der Trick ist wirklich ziemlich cool: Nikolai Knopp-Stockfisch hat die originale Festplatte – sie böte heute Platz für ein TikTok-Video oder ein WhatsApp-Sticker-Set (aber nicht für beides) – durch eine grössere ersetzt und das Gerät dazu gebracht, das Netflix-Logo abzuspielen. Allein das ist ein Brüller.

Dann flimmert ein Anime-Video mit catchy Sound über den grünen Röhrenbildschirm. Als er den Portable II an der Fantasy Basel aufgebaut hatte, gerieten die Besucher:innen ab diesem charmanten Anachronismus völlig aus dem Häuschen. Knopp-Stockfisch erzählt von Anime-Fans in Cosplay, die vor dem Computer tanzten. «Jö!», ruft er.

Lenard, der im Nebenraum gewerkelt hat, streckt den Kopf zur Tür rein, um sich zu versichern, dass die Getränkeversorgung sichergestellt ist. Tee, Kaffee?, will er wissen. Fühlen sich alle wohl?

Im Ausstellungskonzept der Diskette sind regelmässig wechselnde Themen vorgesehen. «Tragbare Mikrocomputer ab 1980» ist das erste. «Mikro» im Vergleich zu den raumfüllenden Rechnern, die Grossunternehmen und dem militärisch-industriellen Komplex vorbehalten waren. Apple, IBM und Co. bewarben die neuen, kleineren Rechner damals als Revolution.

Eine schlaue Marketing-Strategie; tatsächlich aber auch der Beginn eines «neumodischen, fancy elektronischen Zeitalters des Businessmachens», wie Knopp-Stockfisch es formuliert.

«Das zum Beispiel ist serious business», sagt er und zeigt auf einen Knochen in einer Dockingstation: «Very Important Business-Personen konnten damit ihre Very Important Business-Marketingtermine ausserhalb des Büros wahrnehmen, ohne auf ihre Zahlen und Slideshows verzichten zu müssen.» Compaq zum Beispiel, erklärt Knopp-Stockfisch, bewarb seine Portable-Serie damit, dass sich die Geräte unter einem Flugzeugsitz verstauen liessen.

Und dann gab es Spassgeräte wie den Commodore 64, vor dem Knopp-Stockfisch jetzt steht.

Er lässt Chiptunes laufen. «Das ist so ein Klassiker», sagt er. «Der Commodore konnte das; in der MS-DOS-Microsoft-Welt war Biep das höchste der Gefühle.»

Bis heute habe der C64 eine eingefleischte Fanbase. Man glaubt es ihm sofort.

Nikolai Knopp-Stockfisch redet schnell und sprudelnd. Seine Leidenschaft ist ansteckend. Zu jedem Computer im Raum hat er ein Schildchen gestaltet, einen Erklärtext geschrieben, ausserdem mehrere Bögen mit Challenges vorbereitet, manche für Kinder, andere für Turbonerds. «Das Motto ist Touch, don’t look», sagt er und holt einen Stapel Papier.

Die Journalistin darf eine Kinder-Challenge lösen: Gestalten mit dem Programm KidPix, das Apple 1989 für seinen Macintosh veröffentlichte. Damit lassen sich Dinosaurier stempeln, kleine Monde, Buchstaben und Hündchen, die lustige Geräusche machen. Während auf dem Bildschirm eine wilde Collage entsteht, erzählt Knopp-Stockfisch von Andy Warhol, der Mitte der Achtziger mit dem Commodore Amiga Bilder malte. Die Kunstwelt war baff.

Als das Meisterwerk fertig ist, klemmt der Nadeldrucker. Nikolai Knopp-Stockfisch freut sich und holt WD-40.

Liebevolle Bastelei

Zum Bastler wurde Knopp-Stockfisch eher zufällig. Eines Tages legte ihm ein Arbeitskollege ein Ali-Express-Päckchen mit Bauteilen auf den Schreibtisch; in der Google-Werkstatt baute er sie zusammen. Werkeln ist ein soziales Ding, gemeinsame Flohmarkt-Ausflüge und Schaltplanstudien, aber auch viel learning by doing: Das meiste habe er sich auf YouTube reingeschlürft, sagt Knopp-Stockfisch.

Wie eine Schnitzeljagd sei das, oder ein Nerd-Puzzle: «Ich nehme den Lötkolben und suche das eine kleine Bauteil für, weiss ich nicht, 50 Rappen, was jetzt gerade die Füsse hochgelegt hat, tausche das aus, und dann läuft die Kiste wieder.» Seine Skills setzt er auch in der reparierBar ein, wo er den kaputten Handmixern, Kaffeemaschinen und Lampen Schaffhausens neues Leben schenkt.

Draussen geht die Sonne unter, gülden glimmen die Rechner im Abendlicht. Bald lässt Knopp-Stockfisch erstmals die Öffentlichkeit auf sie los. Saaltexte möchte er bis dahin noch anbringen, den alten Nadeldrucker wieder zum Laufen bringen. Lenard kümmert sich um die Schnittchen und den Kaffee.

Später, der Rhein hat die Sonne schon lang verschluckt, schickt Knopp-Stockfisch ein Signal-Video. Es ist der Drucker, der wieder läuft; eine ordentliche Portion Schmiermittel hat das Problem gelöst. Ratternd spuckt er das Meisterwerk aus. «Ta-daa!», ruft es fröhlich im Hintergrund.

Die Vernissage war am Samstag, 14. März. Seither ist die Diskette einmal pro Monat geöffnet. Infos und alle Daten auf www.diskette.ch.

Wir schenken Dir diesen Artikel. Aber Journalismus kostet.
Hier geht es zum Probe-Abo: drei Monate lang jede Woche eine AZ für nur 48 Franken.

The post Touch, don’t look appeared first on Schaffhauser AZ.

]]>