Kammgarn West: Auf Kurs, aber mit Verspätung

7. November 2017
Vor Ort informierten Beat Juncker (links) und Patrick Werner über ihre Pläne für die Kammgarn West.
Vor Ort informierten Beat Juncker (links) und Patrick Werner über ihre Pläne für die Kammgarn West.

Rund 30 mögliche Zwischennutzerinnen und Zwischennutzer interessieren sich dafür, einen Teil des ersten Stockwerks der Kammgarn West als Untermieter zu übernehmen. Dies gab der Verein für sinnvolle Raumnutzung (VSR) heute an einer Pressenkonferenz bekannt.

Der VSR will das Stockwerk ab Januar 2018 für drei Jahre von der Stadt Schaffhausen mieten und die Zwischennutzung koordinieren. Bereits hat er ein Baugesuch eingereicht, denn einige Vorgaben insbesondere vonseiten der Feuerpolizei machen eine kleine Instandsetzung des Stockwerks notwendig.

Neben der Instandstellung der sanitären Anlagen ist eine Art «Fluchtstollen» notwendig, um den Notausgang näher an die einzelnen Räume zu bringen, ausserdem will der Verein voraussichtlich einige Mauern einreissen und einige versetzen.

Für den Umbau kommt die Stadt auf und will dafür höchstens 100’000 Franken investieren. Diese Summe, geteilt durch den Zeitraum der Zwischennutzung, ergibt die Bruttomiete, welche der VSR aufbringen muss, dazu kommen fixe Nebenkosten. Der Verein plant, bei der Instandsetzung möglichst wenig Aufwand auszulösen, was die Bruttomiete und damit den Mietzins für Zwischennutzer tief halten würde. Heute sprach VSR-Präsident Beat Juncker von Baukosten in der Höhe von rund 40’000 Franken und einem als Ziel formulierten Untermietzins von 85 Franken pro Quadratmeter und Jahr.

Die an einer Untermiete interessierten Personen bildeten einen breiten Nutzermix, so Juncker. Vertreten seien Künstlerinnen und Künstler, die allein oder in kleinen Gemeinschaften ein Atelier suchen, sowie Start-Ups und ein Architekturbüro. Weiterhin ist die Idee, dass kommerzielle Zwischennutzer etwas mehr für ihre Fläche bezahlen sollen als nichtkommerzielle Projekte.

Den Zwischennutzern stehen rund 12 separate Räume zur Verfügung, dazu kommen ein grosser, offener Raum für eine gemischte Nutzung aus mehreren Projekten und ein Ausstellungsraum im Zentrum des Stockwerkes. Dort sind vier Ausstellungen von jeweils zweimonatiger Dauer pro Jahr geplant, der Verein konnte zu diesem Zweck die Kuratorin Manuela Reissmann an Bord holen.

Zumindest vorerst nicht möglich ist ein öffentlich zugängliches Café oder PopUp-Restaurant – dafür wären die baulichen Auflagen und damit die Investitionskosten bedeutend höher.

Im Dezember will der Verein für sinnvolle Raumnutzung die ersten Untermietverträge unterzeichnen, und im März sollen die Zwischennutzer einziehen können – dies entspricht einer Verzögerung des Projekts um drei Monate.

Für den Verein besteht weiterhin die Möglichkeit, sich als Mieter zurückzuziehen, wenn beispielsweise die Investitionen und damit die Untermieten zu hoch würden oder die Auslastung zu klein. Beat Juncker zeigte sich aber optimistisch: «Die Chance, dass wir nicht starten können, wird jeden Tag kleiner.»