Nun ist klar, wer ins Gaswerkareal kommt. Unter anderem ein Sauna-Paradies, das ein bisschen Sonderbehandlung geniesst.
Jetzt steht fest, wer auf dem Gaswerkareal einziehen wird. Am vergangenen Dienstag informierte die Immobilienabteilung der Stadt über das Zwischennutzungs-Projekt. Von 52 Interessent:innen hat die Stadt 30 ausgewählt, die eine Fläche in den leeren Räumlichkeiten mieten können – sei es als Atelier, als Werkstatt, als Tonstudio oder als Skaterhalle. Auch die Gaskugel soll erhalten bleiben und zugänglich gemacht werden. Verwaltet und betreut wird das Areal von einem neu gegründeten Verein, dem «Kollektiv Gaswerkareal».
Damit ist dem Immobilienreferat und dem Stadtrat geglückt, was ursprünglich geplant war: die Verantwortung abgeben und trotzdem das Sagen haben.
Die Ausschreibung im April sorgte nämlich für einige Fragezeichen. Während bei Zwischennutzungen sonst oft eine Trägerschaft gesucht wird, die das Areal bespielt, zäumte die Stadt das Pferd von hinten auf: Wohl um zu verhindern, dass das Gaswerkareal ein nischiger Szeneort wird, parzellierte sie alle Räumlichkeiten und schrieb sie einzeln aus. Aus den ausgewählten Mieter:innen sollte sich dann wenn möglich ein Grüppchen finden, das bereit wäre, die Hauptmieterschaft zu übernehmen: das Areal verwalten, es lebendig gestalten – und je nachdem auch noch das finanzielle Risiko tragen. Die Stadt wollte den Fünfer und das Weggli: Kontrolle, aber auch idealistische Eigeninitiative der Mietenden.
Der Verein VSR, der bis vor Kurzem die Kammgarn West betrieb, kritisierte diesen Prozess in der AZ (Ausgabe vom 2. Mai 2025). Er bewarb sich deswegen nicht auf die Zwischennutzung. Aus seinem erweiterten Umfeld aber fand sich eine Gruppe zusammen, die sich vorstellen konnte, die Trägerschaft zu übernehmen: Rund 30 Personen zählt das «Kollektiv Gaswerkareal». Einige wollten Mieter:innen werden, andere vor allem das Zusammenleben mitgestalten.
Und man hat sich mit der Stadt gefunden. Der frischgegründete Verein muss nicht als Hauptmieter auftreten, die Einzelmieter:innen unterschreiben ihre Verträge mit der Stadt direkt – das Risiko für leerstehende Räume trägt die Stadt selbst. Dem Verein kommt die Rolle als Arealbetreuer zu.
Extrawürstli?
Derzeit scheint es also, als sei für alle eine glückliche Lösung gefunden. Für die Zwischennutzer:innen, als auch für den Stadtrat. Dort dürfte sich einer besonders freuen: der zuständige Immobilienreferent Daniel Preisig.
Genau fünf Minuten nachdem die Stadt ihre News zum Gaswerkareal per Mail abgeschickt hatte, wurde eine weitere professionelle Medienmitteilung versandt. Absender: der Verein «Lindlisauna». Die Lindlisauna wird auf dem Gaswerkareal einziehen, und zwar in die Direktorenvilla – ein Filetstück des Areals. Stadtrat Daniel Preisig ist bereits Mitglied des extra gegründeten Vereins.
Dazu muss man wissen: Preisig ist Saunierer aus Leidenschaft und auch bekannt als der «Saunareferent». Bei der Lindlisauna handelt es sich um den neugegründeten Schwesternverein der «RhySauna» – letzterer betreibt die Sauna, die Stadtrat Preisig 2018 in die Rhybadi pushte. Dort ist Preisig ebenfalls Mitglied, bei der RhySauna GmbH ist er Gesellschafter. Zudem präsidiert er den Verein Saunamarathon. Wie die AZ vor einigen Monaten aufzeigte, versucht der Stadtrat auch beim Neubau der KSS, auf einen grösseren Sauna-Bereich hinzuwirken (siehe Ausgabe vom 15. Mai 2025).

Und nun ist also auf dem Gaswerkareal eine Expansion der Schaffhauser Saunalandschaft gelungen. Laut Preisigs zuständigem Immobilienchef Florian Keller hat die Lindlisauna die Jury besonders deshalb überzeugt und sich gegen andere Ideen durchgesetzt, weil sie den Ort für ein breites Publikum zugänglich mache. Preisig trat laut eigener Aussage in den Ausstand, als der Stadtrat über den Antrag abstimmte.
Ein bisschen Sonderbehandlung kriegt der Lindlisauna-Verein trotzdem. Der Verein ist nicht Mitglied des «Kollektivs Gaswerkareal». Und anders als alle anderen Mieter:innen wird er auch nicht vom Kollektiv als Arealbetreuerin verwaltet, sondern separat, direkt von der Stadt. Eine etwas eigentümliche Konstellation: Der Immobilienreferent vermietet inzwischen städtische Liegenschaften an zwei Saunavereine, in denen er Mitglied ist. Laut Florian Keller indessen hat der Spezialfall Lindlisauna gute Gründe: Es gehe um die Wasser- und Gasanschlüsse, und darum, dass der Saunaverein selbst untervermieten will. Die obere Wohnung in der Direktorenvilla soll nämlich privat bewohnt werden – von einer Sauna-affinen Person.
Die Sonderbehandlung der Lindlisauna dürfte aber auch vor allem daran liegen, dass sie ein riesiges, ein Stück weit eigenständiges Projekt ist. Ein Leuchtturm für Schaffhausen, so heisst es in den Medienunterlagen des frischgegründeten Saunavereins, der bereits einen professionellen Online-Auftritt hat.
Das Team legt sich tüchtig ins Zeug, das wird klar, wenn man mit dem ehrenamtlichen Vereinspräsident Beat Fäh spricht. Startkapital: 25 000 Franken – die Lindlisauna erhält es vom Schwesterverein RhySauna als zinsloses Darlehen. Damit ist ein wahres Sauna-Paradies auf 140 Quadratmetern Gartenfläche geplant – viel grösser als in der Rhybadi. Die Villa selbst dient als Clubhaus: Mit Empfang, Bistro, Veranstaltungsraum und Garderoben – und mit öffentlichen Duschen im Aussenbereich, die auch die Rheinschwimmer:innen nutzen dürfen.
Daniel Preisig darf sich also zufrieden den Filzhut aufsetzen.
Wir schenken Dir diesen Artikel. Aber Journalismus kostet.
Hier geht es zum Probe-Abo: drei Monate lang jede Woche eine AZ für nur 48 Franken.
