Auf Gedeih und Verderben

2. März 2023, Kevin Brühlmann

70 Jahre Aromat: eine persönliche Geschichte des Schweizer Nationalgewürzes, das Thayngen gross gemacht hat. Und dann klein.

Wenn mich jemand fragt, wo ich aufgewachsen bin, dann antworte ich meistens: wo das Aromat erfunden wurde. In 8240 Thayngen. Seit 1907 steht dort eine Fabrik der Firma Knorr, von allen Knorri genannt.

Man sagt, Aromat sei das Schweizer Nationalgewürz, was ich verstehe. Bei Licht glänzen die Körnchen golden. Im Mund schmecken sie einfach nach etwas eigentümlichem Salz.

Die Knorri begrüsst einem beim Betreten des Dorfes, als graues Wahrzeichen, höher und dicker als alle anderen Gebäude der Gemeinde. Als ich an einem Samstag Anfang Februar 2023 die Fabrik betrachte, ist es still. Die Luft ist klar. Ein Kleinwagen einer Sicherheitsfirma steht auf dem Parkplatz davor. Die Einfahrt zum Innenhof ist durch ein Gittertor versperrt.

Ich möchte mir ein Bild der Aromatproduktion machen, um herauszufinden, welche Bedeutung das Gewürz heute noch hat. Für Thayngen und den ganzen Rest. Die Knorri gehört seit einiger Zeit zu Unilever, einem der grössten Nahrungsmittelkonzerne der Welt. Das Unternehmen beschäftigt 150 000 Angestellte. Der Umsatz liegt bei jährlich 60 Milliarden Euro, was dem Bruttoinlandprodukt Costa Ricas entspricht, einem Land mit gut fünf Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern.

Vor ein paar Tagen hatte ich eine E-Mail in die Eingeweide des Konzerns gespiesen, und nach einiger Zeit rief ein Herr Andreas ter Horst aus Hamburg an, wo die Kommunikationsabteilung sitzt, und Herr ter Horst sagte, man sei gerade sehr beschäftigt, das Aromat werde 70 Jahre alt, ausserdem publiziere Unilever morgen die neusten Quartalszahlen, aber er werde sich mit dem Werksleiter in Thayngen in Verbindung setzen, um eine Führung zu organisieren.

Tags darauf war auf Finanzportalen von steigenden Unilever-Aktienpreisen zu lesen. Der Nettogewinn des letzten Jahres stieg im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro.

Diese Neuigkeiten, überlege ich nun, sind nicht mit den geisterhaften Schwingungen in Einklang zu bringen, die von der Knorr-Fabrik ausgehen, vor der ich gerade stehe. Oder vielleicht doch?

Die Geschichte der Knorri ist auch die Geschichte eines Dorfes, das immer näher zur grossen Welt draussen rückte, und gleichzeitig eines Dorfes, dessen kleine Welten im Innern auseinanderdriften.

1. Kriegsjahre

Im Februar 1940, wenige Wochen bevor die Nationalsozialisten in Dänemark und Norwegen einmarschieren sollten, deklarierten die Alliierten die Knorri als «enemy firm», als feindliches Unternehmen. Bis dahin hatte die Fabrik auch während des Kriegs kaum wirtschaftliche Einbussen machen müssen, obschon sie seit der Gründung 1907 Eigentum des deutschen Mutterhauses in Heilbronn war. Die Suppenwürste der Knorr waren gefragte Lebensmittel. Doch nun kappten die Alliierten die Zufuhr von Rohstoffen wie Fleischextrakt, Fetten oder Ölen.

Einer der wichtigsten Gründe für den Boykott: Knorr-Verwaltungsrat Carl Spahn junior, ein junger Anwalt und Sohn des damaligen Schaffhauser Stadtpräsidenten. Spahn führte eine kleine Vermögensverwaltung mit Sitz in Schaffhausen. Im Auftrag eines deutschen Finanzunternehmens, das der nationalsozialistischen Reichsregierung nahe stand, kaufte Spahn ab 1935 Anteile ausländischer Firmen.

Der Historiker und Journalist Oliver Meier, der zu Carl Spahns Firma recherchiert hat, sagt, sie habe «einen direkten Beitrag zur nationalsozialistischen Expansionspolitik» geleistet. Während der Nazi-Diktatur hatte Spahn Mandate von 23 deutschen Firmen, wovon 13 auf der schwarzen Liste der Alliierten landeten. Darunter war auch die Knorri. Erst als die Fabrik Ende 1940 an ein Schweizer Konsortium verkauft wurde, kam sie von der Liste.

Was die Rolle der Thaynger Knorri zur Zeit des Nationalsozialismus betrifft, ist kaum etwas bekannt. Relativ gut aufgearbeitet ist hingegen die Geschichte des Mutterhauses in Heilbronn, das sich gut mit der NSDAP arrangierte («Totaler Einsatz, totaler Sieg!» stand unterhalb einer Hakenkreuzflagge auf dem Cover einer Ausgabe der Firmenzeitschrift «Wir Knorr-Kameraden» von 1943).

2. Krise und märchenhafter Aufstieg

Im Januar 1947 trat Johann Conrad Weilenmann, ein gut gebauter Mann mit schmaler Nase und dunklem Haar, Sohn einer Winterthurer Fabrikantenfamilie, die Stelle als Direktor der Knorri an. Als er in Thayngen ankam, war er erschüttert, wie er in einem Brief schrieb. Er habe noch nie eine derart demoralisierte Belegschaft gesehen.

Tatsächlich stand die Knorri kurz vor dem Kollaps. Nur dank Krediten der Kantonalbank war sie noch am Leben. Für die prekäre Lage gab es mehrere Gründe. Zum einen hatten es die Leute satt, nach den langen Kriegsjahren weiterhin bloss Suppe zu essen. Die Absätze gingen zurück. Gleichzeitig hatte die Knorri ein Speisefett entwickelt, das als ungeniessbar galt, als «verseift». Zum anderen kritisierten die Alliierten die Schweiz wegen ihrer wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zu den Achsenmächten; es ging vor allem um Vermögen ungeklärter Herkunft aus NS-Deutschland. Die Knorr kam erneut auf eine schwarze Liste.

«Finanziell und imagemässig lag die Knorri am Boden, aber unter Johann Conrad Weilenmann ging es steil aufwärts», sagt Matthias Wipf. Der Schaffhauser Historiker hat sich mit der Biografie von Weilenmann und der Knorr befasst. Für die Recherche durfte er das Konzernarchiv besuchen, sprach mit Zeitzeugen und las sich durchs Privatarchiv der Familie Weilenmann.

Wipf bezeichnet Weilenmann als «absoluten Vorreiter im Geschäft mit Markenartikeln». In einer Zeit, in der die meisten Produkte unverpackt eingekauft wurden, setzte Weilenmann auf bunte, gut wiedererkennbare Verpackungen. Noch 1947 startete er eine Werbeoffensive. Die Knorri besuchte Messen und verteilte Beutelsuppen an eine Million Haushalte. Alle drei Monate brachte sie eine neue Suppe auf den Markt. Sie schuf die Figur des Knorrli. Und vor allem setzte sie als erste westliche Firma auf ein Fabrikat namens Glutamat. Das Salz kaschierte den Geschmacksverlust, der durch das Kochen, Sterilisieren und Tiefgefrieren der Fertigprodukte entstand, und im Gegensatz zu der braunen Würze, die vorher verwendet wurde, verfärbte es die Nahrungsmittel nicht und machte sie gleichzeitig länger haltbar.

Einblick in die frühere Produktion in Thayngen. Foto: zvg.

All diese Elemente kamen im Aromat zusammen: Glutamat, die Verpackung in der wiederverschliessbaren Streudose und vor allem eine Werbekampagne, für die 30 000 Restaurants mit Ménagen, kleinen Metallgestellen, beliefert wurden. Aromat war nichts, worauf irgendjemand gewartet hatte, und die Schweiz bekam ein Nationalgewürz.

Das Wachstum der Knorri war selbst für die Nachkriegszeit, als das Wirtschaftswachstum grenzenlos schien, märchenhaft. 1950 arbeiteten 335 Personen in der Fabrik. Drei Jahre später hatte sich diese Zahl mehr als verdoppelt. Die Gewinnschwemme stieg in die Millionen. Als Weilenmann 1960 nach dreizehn Jahren als Direktor in Pension ging, zählte die Firma über 1100 Beschäftigte, was einem Drittel der Thaynger Bevölkerung entsprach. Die Suppen und Aromatdosen wurden in über 70 Länder exportiert, wobei man auch begonnen hatte, Fabriken nach Thaynger Vorbild im Ausland aufzubauen.

1957, beim Fest zum 50-Jahre-Jubiläum der Fabrik, sagte der damalige Gemeindepräsident Bernhard Stamm, später für die FDP auch Regierungsrat, Thayngen sei «auf Gedeih und Verderben mit der Knorr» verbunden.

Die Knorri machte einen komplett neuen Ort aus Thayngen. Aus dem Bauerndorf wurde auch eine Arbeitergemeinde. Ich beschliesse, zu meinen Grosseltern zu fahren. In den vergangenen fast neunzig Jahren hat sich ihr Leben derart mit dem Dorf verwoben, dass man an einem kleinen Faden ziehen kann und unzählige Thaynger Geschichten zu hören bekommt.

3. Die goldenen Jahre

Das Gewürzregal in der Küche meiner Grosseltern ist gespickt mit Knorr-Produkten, in den Schubladen liegen Suppenbeutel, Bouillonwürfel und Saucen.

Anfang der Sechzigerjahre arbeitete meine Grossmutter in der Coop-Filiale, die sich gleich neben der Knorri befand. Nach Feierabend kamen die Arbeiter zum Einkaufen vorbei. «Wenn einer den anderen fragte: ‹Ist morgen Zahltag?›, wussten wir: Jetzt müssen wir uns vorbereiten», erzählt Grossmutter. «Wir bestellten mehr Pâtisserie, die doppelte Menge Mohrenköpfe, mehr Blumen, Orangen und im Sommer Pfirsiche, und wir mussten die Schuldscheine der vergangenen Tage hervorholen.»

Und es erging nicht nur dem Coop so. Die Druckerei Augustin bedruckte Verpackungen. Schülerinnen fanden immer einen Ferienjob in der Fabrik. Gärtnereien kümmerten sich um die Grünflächen. Pfadfinder und Fussballverein wurden unterstützt. Transportfirmen hatten volle Auftragsbücher.

Wenn man nur genau genug hinschaute, stiess man praktisch überall, in jedem einzelnen Thaynger Hosensack, auf eine Spur der Knorr.

1970 stand die Wahl fürs Gemeindepräsidium an. Fritz Naegeli, Bäckermeister und seit Langem Kantonsrat für die FDP, war der grosse Favorit. «Alle dachten, er werde sowieso gewählt», sagt mein Grossvater. «Aber auf uns Büezer wirkte er arrogant, er hielt sich für einen Mehrbesseren.» Es kam zur Überraschung. Zum ersten und bislang einzigen Mal wählte Thayngen einen sozialdemokratischen Gemeindepräsidenten: Walter Stamm, aufgewachsen in einer armen Bauernfamilie, arbeitete während zwanzig Jahren in der Knorri, lange Zeit als betriebseigener Schreiner, später als Verwalter der Liegenschaften. Über die Gewerkschaft hatte er in die Politik gefunden, war der SP beigetreten und sollte später sogar Nationalrat werden. Walter Stamm war ein eher kleiner, rau auftretender Mann. Im Dorf erhielt er den Übernamen «Little Big Walter», und an Fasnachtsumzügen verkleidete er sich als Napoleon.

Walter Stamm blieb zweiundzwanzig Jahre Gemeindepräsident, bis 1992. Finanziell gesehen waren es grossartige Jahre für Thayngen. Die Knorr trug einen grossen Teil der Steuereinnahmen bei. Jahrzehntelang wies die Gemeinde den mit Abstand tiefsten Steuerfuss im Kanton auf. Und auf Initiative von Sozialdemokraten wurde er weiter gesenkt. Die Knorri galt auch als gute Arbeitgeberin. Schon früh war die Fünftagewoche eingeführt worden, es gab einen Gesamtarbeitsvertrag, eine günstige Kantine, eine gute Pensionskasse, und die Arbeit war nicht so schwer und gefährlich wie bei den Zementwerken, Thayngens zweitgrösstem Betrieb, wo die Arbeiter ständig Staub einatmeten.

Walter Stamm leitete das Dorf mit vollem Portemonnaie, sodass er es sich erlauben konnte, ein Bierverbot für die Gemeindearbeiter auszusprechen, weil sie sich schon in den Znünipausen betranken. Thayngens Infrastruktur wurde laufend ausgebaut. Es gab eine Heizung im Freibad. Das Altersheim entstand. Eine Dreifachturnhalle. Eine Bibliothek. Das Haus der Gemeindeverwaltung wurde renoviert.

Die Knorri war zwar schon Ende der Fünfzigerjahre an den amerikanischen Konzern CPC verkauft worden, konnte jedoch lange Zeit relativ unabhängig handeln. Das Ende dieser Unabhängigkeit kam nicht mit einem Knall. Es waren viele kleine Enden über viele Jahre, angekündigt in vielen Nachrichten, die in freundlicher PR-Sprache gehalten waren, aus der weit entfernten Zentrale des Mutterkonzerns.

Schliesslich, im Februar 1992, schickte die CPC-Konzernleitung eine «Empfehlung» nach Thayngen: Die Produktion für die skandinavischen Länder, die 40 Prozent der Aufträge ausmachten, könnte doch in die «weniger lohnintensiven» Niederlande verlagert werden. 200 Thaynger Arbeitsplätze fielen weg.

Als ein Redaktor der Schaffhauser Nachrichten Walter Stamm auf diesen Entscheid ansprach, meinte der Gemeindepräsident, er sei nicht überrascht. «Die Tendenz zu einer neoliberalen Wirtschaftsordnung zeichnet sich seit geraumer Zeit ab», sagte Stamm. «Die Bedürfnisse zur Kapitaloptimierung werden je länger, je mehr allen anderen übergeordnet.» Der Faktor Mensch rücke immer weiter in den Hintergrund. Die Direktion versicherte zwar, dass die Knorri weiterhin hohe Steuerbeträge zahlen werde, doch Stamm wollte nicht so recht daran glauben. Noch Mitte der Neunzigerjahre war Knorr zwar die Schaffhauser Firma, die mit über 10 Millionen Franken am meisten Steuern zahlte (vor der Cilag). Trotzdem sollte Little Big Walter recht behalten.

4. Die Zerstückelung

Eines Tages Anfang 2023 erschien eine französische Nummer auf meinem Telefonbildschirm. Sie gehörte Daniel Lötscher. Lötscher arbeitet seit über zwanzig Jahren für Unilever, war in Rotterdam, Hamburg und im Elsass. Heute ist er Werkleiter der Fabrik in Thayngen. Er bot eine Führung durch die Knorri an, und jetzt, an einem Montagmorgen, klingle ich beim Haupteingang der Fabrik. Durch eine Drehtür gelangt man hinein. Der Empfang erinnert an die Rezeption eines Hostels. Die Fabrik wirkt genauso verlassen wie vor ein paar Wochen. Ganze Gebäudetrakte stehen leer.

Seit dem Jahr 2000 gehört die Knorri der Unilever. Über die Jahre entliess der Konzern den Grossteil der Angestellten. Heute produzieren noch hundert Mitarbeitende Saucen, Suppen und Gewürze in Thayngen, vor allem für die Schweiz. (Ausserdem kümmern sich 270 Büroangestellte in Schaffhausen um die Lieferkette.)

Wenn man den Instagramkanal von Unilever verfolgt, könnte man glauben, es handle sich um eine gemeinnützige Organisation. In den Beiträgen wird für Gleichberechtigung, Veganismus und klimafreundliche Produkte geworben. Die abgebildeten Menschen sind fröhlich und divers.

Fabrikwerkleiter Daniel Lötscher mit einer Mischung, aus der später Aromat wird. Foto: Robin Kohler.

Wenn man Zeitungsartikel über Unilever liest, sieht die Lage anders aus. Jeden Tag verwenden rund zwei Milliarden Menschen eines von vielen Unilever-Produkten, zum Kochen, für die Körperpflege oder zum Kleiderwaschen. Der Konzern verursacht eine gewaltige Menge Plastikmüll und Treibhausgase. Ausserdem werden gigantische Regenwaldflächen abgeholzt, um Plantagen zu errichten, die Unilever mit Palmöl beliefern, um Aromat, Glace oder Crèmes herzustellen.

Nach der Übernahme durch Unilever (und nachdem das Zementwerk den Betrieb geschlossen hatte) brachen Thayngens Steuereinnahmen ein. Die Gemeinde besass zwar nach wie vor einen tiefen Steuersatz, aber anderswo auf der Welt waren die Sätze noch tiefer, und so saugte Unilever Kapital aus dem Dorf ab. Den grössten Zaubertrick des 21. Jahrhunderts, Steuern zu vermeiden, beherrschte der Konzern meisterhaft.

Thayngen geriet in finanzielle Schieflage. Erst merkte man es an vermeintlich kleinen Dingen. Für die Renovation und den Betrieb der Heizanlage im Freibad fehlte plötzlich das Geld. Die Vereinsbeiträge wurden gekürzt. Später wurden die Steuern erhöht.

«Das waren harte Zeiten, weg vom finanziellen Hochglanz früherer Jahre», sagt Bernhard Müller zu mir. «Aber man musste es halt durchziehen.» Müller ist ein zurückhaltender, freundlicher Mann, der gern karierte Hemden trägt. Von 2000 bis 2012 war der SVP-Politiker Gemeindepräsident.

«Das lehrte uns, die Gemeinde neu zu positionieren, und zwar als Wohngemeinde», erklärt Müller. Man schaffte es, Thayngen ans S-Bahn-Netz anzuschliessen, es gab relativ günstiges Bauland, mehr Leute zogen hinzu, auch ein paar grössere und kleinere Firmen, der Ort quoll auseinander, die Steuereinnahmen, deren Grossteil nun die Bürgerinnen und Bürger zahlten, stabilisierten sich. Mit der Zeit wurde das Leben im Dorf anonymer, das Gebot, sich beim Kreuzen auf der Strasse Grüezi zu sagen, verblasste, und die Beizen gingen eine nach der anderen ein.

An diesem Montagmorgen um halb neun Uhr rauscht Daniel Lötscher, ein grosser, drahtiger Mann, um die Ecke Richtung Empfang. Gut gelaunt führt er durch die Fabrik und zeigt mir die Aromat-Produktion. Es riecht nach Bouillon und Zwiebeln. Erst werden die Rohstoffe parat gemacht, darunter Salz, Milchzucker, Fett, Glutamat, Kurkuma, dann werden sie gemischt, mit einem heissen Luftstrom durcheinandergewirbelt, alles automatisiert, schliesslich kommt das Aromat in die Dose, sechs Dosen in einen Karton, Plastikfolie drüber, und fertig.

«Die Rezeptur ist praktisch noch dieselbe wie vor 70 Jahren», sagt Lötscher. «Nur die Rohstoffe haben sich in dieser Zeit etwas verändert.»

Später redet Lötscher über die Zukunft. Man sei daran, nachhaltigere Verpackungen zu entwickeln. «Man kann nicht immer nur mehr Umsatz anpeilen, manchmal muss man das Richtige machen.» Ausserdem habe man eine Absichtserklärung unterzeichnet, die vorsieht, ein «Nutrition Hub» aufzubauen, einen Campus, der laut Konzernmitteilung «ein Schweizer Zentrum für die Ernährung der Zukunft» werden soll. Etwa um zellbasierte Lebensmittel zu entwerfen (wie künstlich hergestelltes Fleisch).

Nach einer Dreiviertelstunde ist die Tour zu Ende. In dieser Zeit trafen wir auf ungefähr zwanzig Angestellte. In einer Fabrik, in der früher einmal über tausend Menschen arbeiteten. Heute werden 2000 Tonnen Aromat pro Jahr produziert, vor gut zehn Jahren waren es noch 3000.

Das Schweizer Nationalgewürz hat Thayngen gross gemacht. Und dann wieder klein.

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